Geschichte der Schule Gottenheim

Quelle: Kurzchronik 900 Jahre Gottenheim 1086-1986 von Lia Kuhn und Dr. Walter Fauler

Gesetze und Verordnungen

vor 1774 Die Gottenheimer Chronik zeigt, dass das Dorf über Jahrhunderte unter klösterlicher und weltlicher Lehensherrschaft stand. Den häufig wechselnden Herren lag nichts dran, die Kinder ihrer Untertanen im Lesen, Schreiben oder Rechnen unterrichten zu lassen, eine nutzlose Kunst, die außerdem mit hohen Kosten verbunden war. Bücher gab es nur zu kaum erschwinglichen Preisen.

1774 Maria Theresia, Kaiserin von Österreich, erläßt eine allg. Schulordnung mit vorgeschriebenen Unterrichtsfächern:

  1. Religion, mit deren Geschichte nebst der Sittenlehre
    Die Buchstaben kennen, Buchstabieren und Lesen geschriebener und gedruckter Sachen, die Kurrentschrift, von der Rechenkunst die 5 Species und die einfache Regel de tri (=Dreisatz)
  2. Die für das Landvolk gehörige Anleitung zur Rechtschaffenheit und zur Maßgabe des hierzu verfaßten Büchleins
Sowie die Regelung des Schulwesens:

Um sicher zugehen, dass diese Bestimmungen durchgeführt wurden, bestellte die Kaiserin Oberaufseher; der für unser Dorf zuständige Herr amtierte in Freiburg. Die Oberaufsicht der Schulen lag in den Händen der Kirchen.

1796 zeigt ein Bischöflich Konstanzisches Ordinariats-Zirkular wie weit sie reichte:

...keinen aus der Gemeinde die Erlaubnis zur Erlernung eines Handwerks oder zum Heurathen zu erteilen, der sich mit einem Zeugnis des Seelsorgers nicht ausweisen kann, im Christenthum sowohl, als im Schreiben und Lesen hinlänglich unterrichtet und gut gesittet zu seyn...

Das Schulhaus mit Lehrerwohnung

Ursprünglich wurde der Unterricht - vom Sigristen erteilt - in dessen Wohnstube abgehalten.

Altes Schulhaus um 1900
Das alte Schulhaus in der Kirchstraße 1

1788 wurde das erste Schulhaus gebaut
denn in diesem Jahre weigerte sich der Pfarrpatron, der Bischof von Basel, den Handwerkern in Gottenheim die Löhne zu zahlen, obwohl er nach dem Gesetz von 1774 dazu verpflichtet war, weil er keinerlei Einkünfte aus der Filiale bezog. Es handelte sich um das Gebäude am Kirchberg, das die Gottenheimer heute noch die alte Schule nennen.

1812 Es wurde nicht sehr stabil errichtet, den 1812 erteilte das Ministerium die Genehmigung zum Bau eines neuen Schulhauses. Nach langen Beratungen entschieden sich die Gemeindevertreter jedoch für einen Um- und Erweiterungsbau. Das Abbruchholz des zum Teil abgerissenen Gebäudes brachte der Gemeindekasse noch 43 Gulden. 1813 forderte Martin Wenzinger aus Mördingen für seine Lieferung von Kalk und Backsteinen 11 Gulden.

1817
Die Arbeiten schritten langsam voran, erst um 1817 waren sie abgeschlossen. Die Gesamtkosten betrugen etwa 2200 Gulden.
Der Unterricht wurde während der Umbauzeit im Sternen - heutiges Anwesen Steiert, Kirchberg - abgehalten. Der Wirt Johann Mayer erhielt jährlich 29 Gulden für einen Raum als Schulstube, und weil er dem Lehrer Wohnung gab.

Die Badische Schul-Statistik - ein Auskunftsbuch über die Schul- und Ortsverhältnisse sämtlicher Schulorte des Großherzogtums Baden - bezeichnet das Schulhaus als gut: Dienstwohnung: 5 ziemlich kleine Zimmer im 1. und 2. Stock, Schweine- und Hühnerstall. Scheuer, Waschküche, Backofen, Pumpbrunnen beim Haus, Wasserleitung in Aussicht. Ein Unterlehrerzimmer befindet sich im Rathaus. Diese Angaben entsprachen keinesfalls der Realität, war doch das Schulhaus mitten im Umbau und die Dienstwohnung im "Sternen"!

1835
Schon 18 Jahre nach der Erneuerung sollte das Schulhaus die Gemeindeväter wieder beschäftigen und das bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Aus den Gemeindeakten:

Löbliches Bürgermeisteramt!
Das Selbe wird hierdurch ersucht, baldmöglichst zu veranstalten, daß die nötigen Baureparaturen im hießigen Schulhause baldmöglichst und zu einer Zeit wo alles noch gehörig trocknen kann, vorgenommen werden möchten; alsda sind:
- Das Ausweißen der Gemächer
- Die Ergänzung der Fenster
- Das Reparieren und Ausstreichen der verschiedenen Öfen
- Endlich die Herbeischaffung eines kleinen Ofens in das Wohnzimmer des Provisors zu Folge amtlichen Befehls ...
26. August 1835 ob. Leibes, Lehrer
Auch der Unterzeichnete stimmt bei, vor allem für nro 4
Happersberger, Provisor

1842 Die Großherzoglich Badische Bezirks Schulvisitatur Breisach zu Wasenweiler beanstandet bei der Schulvisitation am 14. April 1842 die Aparatur der Schulzimmer und die sanitären Anlagen.

1847 Der Gemeinderat lehnt das Gesuch des Hauptlehreres Hitz um Erweiterung seiner Wohnung ab.

1860 und 1861 Briefe des Großherzoglichen Amtes Breisach:

a) Anforderung einer Kostenaufstellung der Bauveränderungen am Schulhaus zur Fertigung des Kostenüberschlages nach dem Gutachten der Großh. Inspektion.
b) Das Bürgermeisteramt wird um Erledigung der Verfügung vom 13. August 1860 mit Frist von 10 Tagen bei Strafe von 5 Gulden gebeten
11. Oktober 1860
c) Zustellung des Planes, Ausführung der erforderlichen Reparaturen sind im Akkord zu vergeben. Bedingungen: ...diesselben nicht bis zum 1. September d.J. hergestellt sind, dem Unternehmer für jeden weiteren Tag 2 Gulden an der Accordsumme in Abzug gebracht werden...
19. Januar 1861
d) Nachricht an das Bürgermeisteramt:
"... Gr. Bezirksbau-Inspektion ersucht werde, die gefertigten Arbeiten einer Prüfung zu unterziehen..."
25. September 1861

1864 Bei einer Gemeindevisitation wurden erneut Mängel am Schulhaus festgestellt. Unter anderem "... in dem Schulgebäude nicht Platz genug ist, um auch den Unterlehrer darin unterzubringen." Der Provisor bezieht daraufhin Wohnung im Rathaus. Dies gefällt aber der Obrigkeit nicht.

1868 Das Bezirksamt ordnet den Ausbau der Dachkammern im Schulhaus an, als Wohnung für die jeweiligen Unterlehrer.

... da es nun nicht passend gefunden wird, daß junge Leute, wie dies meistens bei Unterlehrern der Fall ist, der unmittelbaren Beaufsichtigung des Hauptlehrers entzogen bleiben ...

1877 Eine geheime Sitzung des Bezirksrates Breisach, am 15. November. Verhandelt wird über die Reinigung des Schulbrunnens in Gottenheim. Beschluß:

Der Schulbrunnen in Gottenheim, Eigentum der Gemeinde, sowie das Anstößers Bäcker Heß, liefert unreines, ungenießbares Wasser ... weil namentlich die Schulkinder das Wasser des Brunnens zu genießen, veranlaßt sind, sei dieser Brunnen so lange zu schließen, bis er gereinigt und wieder genießbares Wasser liefert.

1879

Gr. Oberschulrath Carlsruhe, den 9. Januar 1879
.... Gr.Bez.Amt wird deshalb veranlaßt, in thunlichster Bälde die Abhilfe obiger Mißstände in Angriff zu nehmen. Dabei wird freilich ernstlich in Erwägung zu ziehen sein, ob dies am besten durch Reparaturen oder durch einen Neubau geschehen würde.

Der Gemeinderat beschließt noch einmal die Mängel auszubessern, besonders was die sanitären Einrichtungen betraf. Ein Plan mit ausgearbeitetem Kostenvoranschlag geben einen Bericht über die Reparaturen, die Summe betrug 87,27 Mark.

Das Jahrhundert ging zu Ende, am baulichen Zustand der Schule änderte sich nichts mehr. Obwohl Gemeinde- und Ortschulrat sich stets ernsthaft und nachhaltig für die Belange der Schule einsetzten, es fehlten einfach die erforderlichen finanziellen Mittel. Die Ortskasse war durch die Ablösung der Zehntverträge überlastet, die Bürger arme Leute, und die Gelder aus dem badischen Staatssäckel flossen spärlich.


Unsere Schule im 20. Jahrhundert

In den Jahren 1905/06 wurden im alten Gebäude über 200 Kinder von Hauptlehrer Otto Ihle, Hauptlehrer Ernst Fuchs und Unterlehrer Fridolin Wessinger unterrichtet. Nun konnten sich die Gemeindeväter dem Druck des Gr. Badischen Oberschulrates, der die Beschaffung eines dritten Schulsaales und die dringend nötige Einrichtung einer zweiten Hauptlehrerwohnung forderte, nicht länger widersetzen. Ein neues Schulhaus mußte gebaut werden.

1908 bis 1910 Bau des neuen Schulhauses

Schul- und Lehrerhaus (im Vordergrund) nach 1910
Schul- und Lehrerhaus nach 1910

Es entstand in erstaunlich kurzer Zeit eines der schönsten Schulhäuser unseres Landes. Es umfaßt 4 große, helle Schulräume, 2 kleine Zimmer zur Unterbringung von Lehrmitteln, sowie ein Closette für die Lehrer. Die Schülertoiletten standen am Rande des Schulhofes.

Direkt an der Schule wurde das Lehrerhaus angebaut mit einer Fünfzimmer-Wohnung für den I. Hauptlehrer und vier Zimmer für den II. Hauptlehrer. Die Unterlehrer Logis befand sich im Schulgebäude, jedoch von diesem abgeschlossen und nur über die Treppe des Lehrerhauses zugänglich. Zu den Dienstwohnungen gehörten außerdem eine Waschküche - später Garagen -, eine Holzremise und zwei Gärten.

Das Ganze kostete einschließlich des Grundstückspreises die stolze Summe von fast 100.000 Goldmark. In der allg. Schulstatistik der Gemeinde steht 1912 noch eine Bauschuld von 99.000 Mark, zu deren Tilgung im gleichen Jahr 4.986 Mark aufgebracht wurden. In den Neubau zogen Ernst Fuchs als I., Otto Ihle als II. Hauptlehrer und Martin Birkenmeier als Provisor ein.

1963-1966 Schulhauserweiterung
Am 14. September 1963 begannen die Arbeiten an der Schulhauserweiterung. Der Unterricht lief trotz ratternder Baumaschinen und schlagender Pressluftbohrer in vollem Umfang weiter. Eine Klasse bezog für 3 Jahre den Saal des Gasthauses Zum Adler. Der Schulhof war Baustofflager, die Schulstraße Pausenplatz.

Am 12. September 1964 konnte das Richtfest gefeiert werden und am 12. März 1966 die Einweihung des stolzen Gebäudes mit: 10 Klassenzimmern, einer Gymnastikhalle, modernen sanitären Anlagen, einem Handarbeitsraum unterm Dach und Werkraum im Keller, einer Küche mit 3 Kocheinheiten. Lehrer- und Rektorzimmer und 4 kleinen Nebenräumen. Die ehemalige Unterlehrerwohnung wurde durch eine Mauer vom Lehrerhaus abgetrennt und zur Schülerbibliothek umgestaltet. Bericht Badische Zeitung vom 11. März 1966

Die Gesamtkosten waren mit über 1 Million veranschlagt. Der Bau wurde gerade rechtzeitig fertig gestellt, zur Einführung des 9. Schuljahrgangs. Die gute alte Volksschule ist tot, es lebe die neue Grund- und Hauptschule!

Richtfest Erweiterung im Jahre 1964
Richtfest Erweiterung 1964 (Anklicken)
Richtfest Erweiterung im Jahre 1964
Richtfest Erweiterung 1964 (Anklicken vergrößert)

1996 Einrichtung Kernzeitbetreuung
1996 wird eine Kernzeitbetreuung in den Räumen der Schule eingerichtet, die die Kinder während Hohlstunden oder über die Mittagspause betreut.

1997-2000 Generalsanierung Schulgebäude

Schulgebäude im Jahre 2000
Schul- und Lehrerhaus im Jahre 2000 (Anklicken)

Für insgesamt 2 Mio. DM wurde die 1909 erbaute und 1966 erweiterte Schule generalsaniert. Ausführlicher BZ-Bericht

Dazu gehörten im Einzelnen folgende Gewerke:
- Trockenlegung des Kellergeschosses
- Umbau der Lehrküche und Werkräume
- Umbau der ehem. Lehrerwohnung
- Wärmedämmung Dachgeschoß
- Neueindeckung Dach
- Neue Klassenzimmer im DG
- Raum für Kernzeitbetreuung im DG
- Neugestaltung Außenfassade
- Umgestaltung Schulhof (Echse!)

2007 Photovoltaikanlage auf's Schuldach
Im Februar 2007 wurde im Rahmen der regiosonne breisgau solar von der badenova eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Nordflügels installiert, die dann 2010 sogar auf den Hauptflügel erweitert wurde.

2009 Kleinkindbetreuung eingerichtet und neue Fenster
In einem ehemaligen Schulraum wurden Räume für die neue Kleinkindbetreuung Schatzinsel geschaffen, Sanitäranlagen, eine kleine Küche eingebaut und ein direkter Fluchtweg auf den Spielplatz im Schulhof hergestellt.
Hinweis: Bereits 2012 wird ein zweiter Schulraum für die Erweiterung der Kleinkindbetreuung umgestaltet.

Für die Einrichtung der Kleinkindbetreuung (Kosten 120.000 Euro) hat die Gemeinde einen Zuschuss des Regierungspräsidiums Freiburg aus Bundesmitteln im Rahmen des Investitionsprogramms Kinderbetreuungsfinanzierung 2008 – 2013 zum Ausbau der Kindergartenplätze für unter dreijährige Kinder erhalten.

Das Schulhaus wurde im Rahmen des Konjunkturpakets II des Bundes mit neuen Fenstern und Jalousien ausgestattet, die Glasbausteine an Nordseite durch moderne Fenster ersetzt.

2010 100 Jahre Schulgebäude, Grundschule, Bildungshaus
Die Schule feiert ihr 100-Jähriges im Schulgebäude von 1910 und gibt eine Präsentation Grundschule Gottenheim 2010 heraus.

Bereits seit 2008 beschäftigt sich die Gemeinde Gottenheim mit der Entwicklung eines neuen Schulkonzepts. Hintergrund war unter anderem die geringe Schülerzahl von 15 Schülerinnen und Schülern in der Hauptschule. Im November 2008 fasste der Gemeinderat den einstimmigen Beschluss, die Hauptschule aufzugeben und auf die Intensivierung der Kooperation von Kindergarten und Grundschule zu setzen.

Gemeinsam mit dem Kindergarten Gottenheim wurde das vom Land genehmigte Bildungshaus gestartet, das 2011 mit der sog. Dienstagsschule beginnt.

Schul- und Lehrerhaus im Jahre 2012
Das Schulgebäude der Grundschule Gottenheim im Jahr 2012

Zuletzt geändert 5. Jan. 2017 Kurt Hartenbach. Diese Seite: gottenheim.de> ghschule> Geschichte Lesemodus