Familiennamen in Gottenheim

Zur Identifikation der einzelnen Familien, wurden bei Gesprächen unter den Dorfbewohnern Zusätze zum Familiennamen, gelegentlich auch Übernamen, benutzt. In den meisten Fällen wurde der Vornamen oder der Beruf eines Vorfahren, Vater, Großvater oder gar Urgroßvater, zur Hilfe genommen. So war z.B. der Vater von s'Sattlers Hugo der Polsterer und Sattler Stefan Hess oder s'Reinholds Annas Großvater war Reinhold Streicher. Manchmal orientierten sie sich aber auch an Eigenheiten der Personen. Diese Übernamen wurden ganz selbstverständlich benutzt und waren oft geläufiger als die eigentlichen Familiennamen. Vereinzelt werden diese Namen auch heute noch verwendet, die frühere Fülle ist jedoch verloren gegangen.

Im amtlichen Einwohnerbuch von 1928/29 sind rund 80 Familiennamen für Gottenheim benannt.

Die häufigsten Familiennamen, alphabetisch:

  1. Ambs, Adolf: im Oberdorf, die Familie oder einzelne Mitglieder waren s'obere Ambse. Die des Franz-Josef im Mitteldorf - s'untere Ambse.
  2. Barleon, Lorenz: die Nachkommen wurden s'Lorenze genannt.
  3. Dersch: Zur Frau von Max Dersch, Tochter von Serafin Selinger, sagte man Serfins Ida.
  4. Faller, Franz: er war Wagner von Beruf, seine Nachkommen nannte man deshalb s'Wagnerfranze.
  5. Hartenbach: Es gab zwei Familien. Die des Otto waren s'Hartebache, die des Josef s'Hartebachschnieders. Vermutlich war deren Vorfahr Schneider. Von Alban Hartenbach ist nur eine Tochter bekannt (s.u. unter Streicher, Josef).
  6. Hagios: Es gab einige Familien diesen Namens. Die Nachfahren eines Michael Hagios waren s'Michels, die des Josef Anton hießen s'Seppedunis. Die Nachkommen von Hermann Hagios, er war neben der landwirtschaftlichen Arbeit noch Mesner, wurden s'Mesemers genannt.
    Es gab auch, abgeleitet vom Vornamen Thaddäus, einen Thathee Karli. Er war einst Soldat in Kamerun. Er soll einmal mit dem Ross direkt in die Bahnhofsgaststätte geritten sein. Sein Sohn war 's Thathees Wilhelm.
  7. Hertweck, Melchior, war Schreiner, seine Kinder hießen s'Schriners.
  8. Heß: unter diesem Namen unterschied man s'Benemine (von Benjamin), s'Langhesse (großwüchsig), d'Polizei Hermännli — der Ortsdiener mit blauer Uniformjacke, kleinwüchsig, hatte unter u.a. amtliche Gemeindemitteilungen auszuschellen bzw. auszurufen und Schriftstücke zuzustellen.
    Es gab auch nach dem Vornamen s'Romane und nach den Berufen der Vorfahren auch s'Seilers und s'Sattlers. Die Nachkommen von Xaver Heß, ehemals Bäcker, hießen s'Heßebecke. Waldhüter Heß war kinderlos und adoptierte Oskar Dinkel aus Rimsingen. Dieser erhielt den Übernamen Dingili Oskar (Jäger), seine Frau war s'Dingilis Rose, deren Sohn wurde de Dingili Peter. Später gab es den Waldhüter Franz Anton Wiloth.
  9. Hunn: Schwieriger war das Auseinanderhalten der in den 30er Jahren etwa zweieinhalb Dutzend Familien mit diesem Nachnamen, so s'Babetts (nach der Mutter Babette aus Mannheim stammend), s'Brodasis (von Protasius), s'Dolfe (Rudolf), s'Hemmes (ein Vorfahr hatte den Nachnamen „Hemmen“), s'Hebamme (Beruf einer Vorfahrin), s'Lepolds (Leopold), s'Liberade (Liberatus), s'Mundele (Reimund), s'Naglers (Nagelschmiede), s'Richards, s'Steffes, s'Thede Karlis (von Karl Theodor), s'Xanders. Xaver Hunn heiratete Anna, die Tochter von Joseph Wiloth und wurde so zu s'Wilothsepplis Saveri.
  10. Isele: Oskar lsele, aus Achkarren stammender Zigarrenfabrikant hat eine Tochter des Zigarrenfabrikanten Kleeb geheiratet. Die Nachkommen, eigentlich lsele blieben bis in die zweite Generation s'Kleebe, z.B. s'Kleebe Otto. Das kleine Fabrikgebäude stand in der Waltershoferstraße neben dem Wohnhaus — heute Familie Maier - bis Anfang der 1930er Jahre das neue zweistöckige Gebäude in der Rainstraße errichtet wurde. Das kleine Gebäude mit leicht tonnenförmigem Dach und Außentreppe diente im Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für die zunächst aus Polen, dann aus Serbien/Jugoslawien stammenden Kriegsgefangenen. Sie wurden vom 1. Weltkriegsteilnehmer Xaver Hunn (s'Xanders Saveri) bewacht, der im Nachbarhaus wohnte. Die Polen wurden schon bald privat untergebracht.
  11. Keller: Eine der wenigen Kellers waren s'Basilis (von Basilius).
  12. Lips: Es gab nur wenige Familien: s'Hanselis (Johann), s'Fabiane (Fabian) und s'Gmeinsrechners (Konrad Lips).
  13. Maurer: Es gab einen Biggli Albert, s'Rasierers, z.B. d’Rasierer Wilhelm, der neben der landwirtschaftlichen Arbeit noch Friseur war, Zähne zog und Nutztiere kurierte. Er hat auch die Aufgabe des Geflügelschützen wahrgenommen. Der Auftrag wurde in der Regel von Gartenbesitzern erteilt: Wilhelm, lueg emol, in miinem Gaarde scharre fremdi Hiehner. Die Ursache des fremd gehens war zunächst der Gockel - er war das erste Opfer. Eine echte Begebenheit: Wilhelm kam auf einen Hof, hielt den erlegten Gockel am Hals und fragte Anna g’hert der Guller Dir? Nai, des isch im Lieseli ihrer! Ah, die het mer g'sait 's deie fremdi Hiehner in ihrem Gmiesgaarde do obe scharre. Es waren also die eigenen. Folglich musste s'Lieseli zum Verlust des Gockels auch noch das Schussgeld zahlen. s'Stroßewarts, der damit beauftragt war, die Hauptstraße mit Besen und Handwagen zu säubern, zu schottern und Löcher zu stopfen. s'Obere Schmieds, zur Unterscheidung von Schmied Senrich, der schon wie auch sein Enkel bis vor einigen Jahren einen Sanitärhandel betrieb.
  14. Meier: Es gab in den 1930er Jahren etwa ein Dutzend Meier-Familien. Da waren s'Munifuetterers (der Farrenwärter, versorgte die bis zu vier Gemeindebullen in der heutigen Bürgerscheune), s'Stürmers, s'Meier Julis, s'Nande (von Ferdinand), s'Legards (Leodegar), s'Servins (Serafin) und nach dem Beruf: s'Sattlers. In den 50er Jahren wurde aufgedeckt, dass ein Teil der aufgeführten Meier den Nachnamen nun richtig mit "ai" schreiben müssen.
  15. Merkle: Da gab es s'Babischte, nach dem Vornamen des Vaters Baptist, er war Landwirt und Totengräber.
  16. Schätzle: Es gibt zwei nennenswerte Linien vom gleichen Vorfahren (Leo), aber aus zwei Ehen. Jene vom ersten Sohn, wiederum einem Leo, aus der ersten Ehe sind s'Lelis, die Nachkommen aus der zweiten Ehe nannte man s'Vogts, weil der Namensgeber zwischenzeitlich zum Bürgermeister, noch als „Vogt“ bezeichnet, gewählt wurde. s'Lelis Emil war Seegrashändler, und wurde deshalb auch Seegraskipper genannt (Kipperer = Händler). Dessen Sohn hatte zwar nichts mit Seegras zu tun, wurde aber dennoch weiterhin Seegraskipper genannt. Außerdem gab es noch s'Sebald, die sich von Zimmermann Sebald Schätzle ableiteten.
  17. Schmidle: s'Florese (von Florian), s'Kurde (von Kordula), s'Schmidlisepplis, s'Sunnewirts, deren Vorfahren betrieben das frühere Gasthaus Sonne, dann Anwesen Berthold Schmidle, Hauptstraße.
  18. Schwenninger: Es gab s'Adlerwirts (Gastwirte), s'Arnolds, s'Stefeantunis (von Stefan Anton)‚ s'Baulepeters (Verkürzung von Baumwoll-Peter, da der eingeheiratete Peter Schubnell mit Baumwolle handelte). Nach den Berufen der Vorfahren s'Gerber Karlis, s'Molers und s'Küfers. Raimund Schwenninger war Holzküfer, sein Enkel Otto ebenfalls.
  19. Selinger: Es gab s'Korde, s'Serfins (Serafin) und s'Großers und abgeleitet vom Vorfahren Ignaz Selinger: s'Nazibure Sepp und Rudolf, sie blieben beide Junggesellen. Sepp besaß das Anwesen im „Schlüpfli“ der Rathausgasse, später Otto Heß. Der andere hatte seinen Wohnsitz im Schlenz (Rainstraße), später Margarete Hunn geb. Lips. Seine Magd liebte den neuen Rotwein sehr, der früher in einem auf dem Kopf stehenden Fass vergoren wurde. Dies wurde ruchbar, wenn beim Trotten abgesackte, versunkene Trinkgefäße zum Vorschein kamen. Sie drohte dem Sepp, wenn er übel über sie redete mit den Worten: Sepp, wenn d'r nit ruhig bisch, no sag i sell!.
  20. Streicher: Reinhold Streichers Frau und Nachkommen waren s'Reinholds, die seines Bruders Pirmin s'Pirmins, die von Christian Streicher s'Chrischtelis. Es gab auch s'Akzisers (vom früheren Steuereinnehmer im Ort), s'Paulis (von Paul), s'Paulis Franz war Feldhüter/Bammert mit einer Schrotflinte versehen beaufsichtigte Feld und Flur. s'Schuehbläsis, s'Germane (von Germann) und s'Hoigrafe: Damit war Josef Streicher gemeint, der mit seiner aus Hugstetten stammenden Frau im (Buchheimer) Gewann Höhe („Hoi“), den Schrankendienst am Bahnübergang zum Gottenheimer Gewann Kritt besorgte. Noch bis Mitte der 1970er Jahre stand dort ein Bahnwärterhaus. Josef Streicher juniors Schulweg verlief entlang des Bahnkörpers nach Gottenheim. Im Bahnwärterhaus am Bahnübergang Buchheimer Straße versah Alban Hartenbach den gleichen Dienst. Dieser hatte eine gleichaltrige Tochter, die Josef jun. auf dem Weg in die Schule abholte. Sie wurde später seine Frau. Der Enkel von Josef Streicher, geb. 1925, hat dem Verfasser diese Geschichte erzählt.
  21. Weber: Es gab den Franz—Josef Weber im Schlenz. Er wurde 1937 nach einem Krankenhausaufenthalt in Freiburg wegen der im Ort durch die Maul- und Klauenseuche verursachten Quarantäne mit einem Krankenwagen nur an die Dorfgrenze gebracht. Dort musste er dann auf einen Dielenwagen umgeladen werden, weil er nur liegend transportiert werden konnte. Da die Tierseuche nicht im ganzen Ort grassierte und die Ausbreitung verhindert werden sollte, ist die Schule ein halbes Jahr ausgefallen.
  22. Wiloth: s'Balzers, ’s Wilothsepplis (siehe auch Hunn Xaver), ’s Hänselis (Johann), s'Verelis (von Xaver), s'Sattlers (vom Beruf).
  23. Wohleb: s'Wohlebecke Richard, der auch Gemeinderechner war. Außerdem kannte man s'Glasers, so z.B. d'Glaser Karli.