Familiennamen in Gottenheim
Quelle: Geschichtsforschung Richard Hunn
Statistische Verteilung 1928
Im amtlichen Einwohnerbuch 1928/29 finden sich insgesamt 80 Familiennamen. Siehe Tortendiagramm der 10 häufigsten:
Familiennamen-Zusätze
Zur Identifikation der einzelnen Familien, wurden bei Gesprächen unter den Dorfbewohnern Zusätze zum Familiennamen, gelegentlich auch Übernamen, benutzt.
Meistens wurden Vornamen oder der Beruf eines Vorfahren, Vater, Großvater oder Urgroßvater, zur Hilfe genommen.
So war z. B. der Vater von s'Sattlers Hugo der Sattler Stefan Hess oder s'Reinholds Annas Großvater war Reinhold Streicher.
Manchmal orientierten sie sich aber auch an Eigenheiten der Personen z. B. d'Speck-Seppli.
Diese Übernamen wurden ganz selbstverständlich benutzt und waren oft geläufiger als die eigentlichen Familiennamen.
Vereinzelt werden diese Namen auch heute noch verwendet, die frühere Fülle ist jedoch verloren gegangen.
Daher die nachfolgende Sammlung:
Familiennamen - Herleitung
Quellenliste Gottemer Familiennamen
Gängigste Familiennamen nach Alphabet:
- Ambs, Adolf: im Oberdorf, die Familie oder einzelne Mitglieder waren s'obere Ambse. Die des Franz-Josef im Mitteldorf - s'untere Ambse.
- Barleon: Lorenz: seine Nachkommen wurden s'Lorenze genannt.
- Dersch: Zur Frau von Max Dersch, Tochter von Serafin Selinger, sagte man Serfins Ida.
- Faller: Franz, war Wagner von Beruf (so wie schon sein Urgroßvater Sebastian, seine Nachkommen nannte man deshalb s'Wagnerfranze.
- Hagios, es gab davon mehrere Familien:
s'Michels die Nachfahren des Michael Hagios,
s'Seppedunis die Nachfahren des Josef Anton.
Die Nachkommen von Hermann Hagios, er war Landwirt und daneben noch Mesner, wurden s'Mesemers genannt.
berufl. Spitzname d'Schweißdissie
Es gab auch, abgeleitet vom Vornamen Thaddäus, einen Thathee Karli. Er war einst Soldat in Kamerun. Er soll einmal mit dem Ross direkt in die Bahnhofsgaststätte geritten sein. Sein Sohn war s'Thathees Wilhelm. - Hartenbach, es gab zwei Familien:
Die des Otto waren s'Hartebache und
die des Josef s'Hartebach-Schnieders, weil deren Vorfahre Ferdinand Hartenbach Schneider war. Von Alban Hartenbach ist nur eine Tochter bekannt (s. unter Streicher, Josef). - Hertweck, Melchior, war Schreiner, seine Nachfahren hießen s'Schriners.
- Heß: hier unterschied man
s'Benemine (von Benjamin),
s'Langhesse (waren großwüchsig), d'Polizei Hermännli — der Ortsdiener mit blauer Uniformjacke, kleinwüchsig, hatte unter u.a. amtliche Gemeindemitteilungen auszuschellen bzw. auszurufen und Schriftstücke zuzustellen.
Nach dem Vornamen s'Romane und nach den Berufen der Vorfahren:
s'Seilers und s'Sattlers.
s'Heßebecke nannte man die Nachkommen von Xaver Heß, ehemals Bäcker.Waldhüter Heß war kinderlos und adoptierte Oskar Dinkel aus Rimsingen. Dieser erhielt den Übernamen Dingili Oskar (Jäger), seine Frau war s'Dingilis Rose, deren Sohn wurde de Dingili Peter. Später gab es den Waldhüter Franz Anton Wiloth. - Hunn: Schwierig war das Auseinanderhalten der in den 1930er Jahren etwa 30 Familien mit diesem Nachnamen:
s'Babetts (nach der Mutter Babette aus Mannheim stammend),
s'Brodasis (von Protas Hunn),
s'Dolfe (Rudolf),
s'Hemmes (ein Vorfahr hatte den Nachnamen „Hemmen“),
s'Hebamme (Beruf einer Vorfahrin), s'Lepolds (Leopold),
s'Liberade (Liberatus Hunn),
s'Mundele (Reimund),
s'Naglers (Beruf: Nagelschmiede),
s'Richards,
s'Steffes,
s'Thede-Karlis (von Karl Theodor),
s'Xanders (von Alexander Hunn).
Xaver Hunn heiratete Anna, die Tochter von Joseph Wiloth und wurde so zu s'Wilothsepplis Saveri. - Isele: Oskar lsele, aus Achkarren stammender Zigarrenfabrikant hat eine Tochter des Zigarrenfabrikanten Kleeb geheiratet. Die Nachkommen, eigentlich lsele, blieben bis in die zweite Generation s'Kleebe, z. B. s'Kleebe Otto.
Das kleine Fabrikgebäude stand in der Waltershoferstraße neben dem Wohnhaus — heute Familie Maier - bis Anfang der 1930er Jahre das neue zweistöckige Gebäude in der Rainstraße errichtet wurde. Das kleine Gebäude mit leicht tonnenförmigem Dach und Außentreppe diente im Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für die zunächst aus Polen, dann aus Serbien / Jugoslawien stammenden Kriegsgefangenen. Sie wurden vom 1. Weltkriegsteilnehmer Xaver Hunn (s'Xanders Saveri) bewacht, der im Nachbarhaus wohnte. Die Polen wurden schon bald privat untergebracht.
- Keller: Eine der Familien waren s'Basilis (von Basilius).
- Lips: Es gab nur wenige Familien:
s'Hanselis (von Johannes),
s'Fabiane (von Fabian Lips) und
s'Gmeinsrechners (von Konrad Lips). - Maurer: Es gab einen Biggli Albert, s'Rasierers, z. B. d’Rasierer Wilhelm, der neben der landwirtschaftlichen Arbeit noch Friseur war, Zähne zog und auch Nutztiere kurierte.
Er hat auch die Aufgabe dess'Stroßewarts, der damit beauftragt war, die Hauptstraße mit Besen und Handwagen zu säubern, zu schottern und Löcher zu stopfen.
Geflügelschützen
wahrgenommen. Der Auftrag wurde in der Regel von Gartenbesitzern erteilt:Wilhelm, lueg emol, in miinem Gaarde scharre fremdi Hiehner.
Die Ursache desfremd gehens
war zunächst der Gockel - er war das erste Opfer. Eine echte Begebenheit: Wilhelm kam auf einen Hof, hielt den erlegten Gockel am Hals und fragteAnna g’hert der Guller Dir?
Nai, des isch im Lieseli ihrer!
Ah, die het mer g'sait 's deie fremdi Hiehner in ihrem Gmiesgaarde do obe scharre.
Es waren also die eigenen. Folglich musste s'Lieseli zum Verlust des Gockels auch noch das Schussgeld zahlen.
s'obere Schmieds, zur Unterscheidung von Schmied Senrich, der schon wie auch sein Enkel bis vor einigen Jahren einen Sanitärhandel betrieb. - Meier: Es gab in den 1930er Jahren etwa ein Dutzend Meier-Familien:
s'Munifuetterers (Farrenwärter, versorgte die bis zu 4 Gemeindebullen im Farrenstall
s'Stürmers (die Zwillinge Meier),
s'Meier-Julis,
s'Nande (von Ferdinand),
s'Legards (von Leodegar Maier),
s'Sattlers (nach dem Beruf).
s'Servins (von Serafin)
In den 1950er Jahren wurde aufgedeckt, dass ein Teil der aufgeführten Meier den Nachnamen nun richtig mit "ai" also 'Maier' schreiben müssen. - Merkle: Da gab es s'Babischte, nach dem Vornamen des Vaters Johann Baptist Merkle, er war Landwirt und Totengräber.
- Schätzle: Es gibt zwei nennenswerte Linien vom gleichen Vorfahren
Leo Schätzle I, aber aus zwei Ehen:
s'Lelis die Nachkommen vom ersten Sohn, Leo II, aus der ersten Ehe.
s'Vogts, die Nachkommen aus der zweiten Ehe, weil der Namensgeber zwischenzeitlich zum Bürgermeister, noch als „Vogt“ bezeichnet, gewählt wurde.s'Lelis Emil war Seegrashändler, und wurde deshalb auchs'Sebalds, vom Zimmermann Sebald Schätzle abgeleitet.Seegraskipper
genannt (Kipperer = Händler). Dessen Sohn hatte zwar nichts mit Seegras zu tun, wurde aber dennoch weiterhin 'Seegraskipper' genannt. - Schmidle:
s'Florese (von Florian),
s'Koste (von Konstantin),
s'Kurde (von Kordula),
s'Schmidlisepplis,
s'Sunnewirts, deren Vorfahren betrieben das GasthausSonne
, später Anwesen Berthold Schmidle, Hauptstr.65 - Schwenninger: Es gab
s'Adlerwirts (Gastwirte),
s'Arnolds,
s'Stefantunis (von Stefan Anton).
Nach den Berufen der Vorfahren:
s'Baulepeters von Baumwoll-Peter, da der eingeheiratete Peter Schubnell mit Baumwolle handelte.
s'Gerber Karlis,
s'Molers (Karl Schwenninger) und
s'Küfers: Raimund Schwenninger war Holzküfer, sein Enkel Otto ebenfalls. - Selinger: Es gab
s'Korde,
s'Serfins (von Serafin),
s'Großers und vom
Vorfahren Ignaz Selinger abgeleitet:
s'Nazibure Sepp und Rudolf, sie blieben beide Junggesellen. Rudolf hatte seinen Wohnsitz im Schlenz (Rainstraße), später Margarete Hunn geb. Lips. Sepp besaß das Anwesen imSchlüpfli
Rathausgasse 15, später Otto Heß.Seine Magd liebte den neuen Rotwein sehr, der früher in einem auf dem Kopf stehenden Fass vergoren wurde. Dies wurde ruchbar, wenn beim Trotten abgesackte, versunkene Trinkgefäße zum Vorschein kamen. Sie drohte dem Sepp, wenn er übel über sie redete mit den Worten:Sepp, wenn d'r nit ruhig bisch, no sag i sell!
. - Streicher: Reinhold Streichers Frau und Nachkommen waren s'Reinholds,
die seines Bruders Pirmin s'Pirmins,
die von Christian Streicher s'Chrischtelis.
s'Akzisers früherer Steuereinnehmer,
s'Paulis (von Paul), s'Paulis Franz war Feldhüter/Bammert, mit einer Schrotflinte versehen beaufsichtigte er Feld und Flur.
s'Schuehbläsis,
s'Germane (von German) und
s'Hoigrafe (Spitzname):Damit war Josef Streicher gemeint, der mit seiner aus Hugstetten stammenden Frau im (Buchheimer) Gewann Höhe („Hoi“), den Schrankendienst am Bahnübergang zum Gottenheimer Gewann Kritt besorgte. Noch bis Mitte der 1970er Jahre stand dort ein Bahnwärterhaus. Josef Streicher juniors Schulweg verlief entlang des Bahnkörpers nach Gottenheim. Im Bahnwärterhaus am Bahnübergang Buchheimer Straße versah Alban Hartenbach den gleichen Dienst. Dieser hatte eine gleichaltrige Tochter, die Josef jun. auf dem Weg in die Schule abholte. Sie wurde später seine Frau. Der Enkel von Josef Streicher, geb. 1925, hat dem Verfasser diese Geschichte erzählt. - Weber: Es gab den Franz-Josef Weber im Schlenz.
Er wurde 1937 nach einem Krankenhausaufenthalt in Freiburg wegen der im Ort durch die Maul- und Klauenseuche verursachten Quarantäne mit einem Krankenwagen nur an die Dorfgrenze gebracht. Dort musste er dann auf einen Dielenwagen umgeladen werden, weil er nur liegend transportiert werden konnte. Da die Tierseuche nicht im ganzen Ort grassierte und die Ausbreitung verhindert werden sollte, ist die Schule ein halbes Jahr ausgefallen.
- Wiloth:
s'Balzers,
s'Wilothsepplis (von Josef, siehe auch Hunn Xaver),
s'Hänselis (von Johann),
s'Verelis (von Xaver),
s'Sattlers (vom Beruf). - Wohleb:
s'Wohlebecke von Richard Wohleb, war Bäcker, sein Sohn Richard jr. Bäcker und Gemeinderechner.
Außerdem kannte man s'Glasers, so z. B. d'Glaser Karli.
Durch Auswanderung vieler Gottenheimer während wirtschaftlicher oder politischer Not im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele dieser Familiennamen auch in die ganze Welt, speziell aber in die USA, getragen, quasi exportiert
.
