Flurnamen in Gottenheim

Richard Hunn, geb. 1933 in Gottenheim, hat viele Jahre wertvolle historische Infos gesammelt Dorfarchiv, Landwirtschaft, Infrastruktur, Flurnamen, Kriege, Ahnenreihe Hunn

Unterstützt von anderen Gottenheimern hat er verschiedenste Urkunden, Fotos, Erzählungen und Berichte über das Leben der Vorfahren in Gottenheim zusammengetragen, geordnet und dem Gemeindearchiv zur Verfügung gestellt.

Um dies Alles für die Zukunft zu bewahren und zu veröffentlichen, werden sie derzeit digital erfasst.

Teamwork: Richard Hunn & Kurt Hartenbach


Das Ried (Niedermoor)

Ein Teil des Altrheins mit dem Rückstau zum Tuniberg und den Abfluss über Gemarkung Bötzingen in die Dreisamniederungen. Paläoökologische Informationen zum Wasenweiler Ried (Anmoor bei Gottenheim)

Das gesamte Ried war ein Feuchtgebiet, das durch Anlegen von kleinen Entwässerungsgräben dem Niedermoor als Weideland abgerungen wurde. Diese Wasserabzugsgräben mussten laufend offen gehalten werden, um den Abfluss zu regulieren und die Futterflächen (Weiden) für den Viehbestand zu verbessern. Der Feldweg, der ins Ried führte, war der Heerdweg, wo die Tiere zur Weide gebracht wurden. Es deuten auch die Namen Weidoberried als Vorland zum Großholz, das vermutlich noch Waldbestand war. Die Neuweid ein bis zum Steinacker grenzendes, aber sehr feuchtes Weideland. Das Außenried erstreckt sich bis zum Riedkanal, alles südlich der Bahn. Nördlich der Bahn ist das untere Ried, es grenzt an den Nötigwald. Der Bereich des heutigen Ponyhofes war früher das Dorbenloch (Torfgrube).

Ein Schreiben vom 14. Juni 1846 nennt die Namen Michael Band, Protas Hunn und Philipp Streicher als damalige Torfstecher, deren Einkommen scheint eher dürftig gewesen zu sein. Bei der Arbeit fanden die Männer eine Bronzeaxt. Die Torfgruben wurden sehr wahrscheinlich beim Bahnbau wieder verfüllt. Der Bau des Rheinseitenkanals brachte eine sehr starke Grundwasserabsenkung, so dass ein Teil des Riedes heute als Ackerland genutzt wird. Das ganze Ried wurde beim Bau der Eisenbahn 1870 mit einem Damm durchzogen, was die Wasserableitung negativ beeinflusste. Erst der vollständige Ausbau des Riedkanals (Murr) 1926-1928 brachte Erfolg. Stellenweise sind auch größere Kiesbänke, z.B. am Fischweiher, dies deutet auch auf größere Störungen des Wassers hin. Diese Arbeiten in der damaligen Zeit der Arbeitslosigkeit wurden von den Männern in Handarbeit ausgeführt. Durch die Wiesen- und Weidengewinnung im Ried konnten andere Weideflächen in den Zielmatten, Langmatten, Zwischenbäch und Eichen für den Anbau von Feldfrüchten gewonnen werden.

Das Angrenzungsgebiet vom Ried zum Tuniberg waren die Riedhalden, Brudershahlen wurde in früherer Zeit als Brüderlishalden beschrieben. Das Land am Steinacker zum Ried waren nach den Riedhalden das Engelsohr unterhalb des Silberbucks.


Flurnamen in der Ebene

Das Eichholz (Eichen) war ein Waldgebiet mit überwiegendem Eichenbestand, guter Waldboden. Die Rodungen von Waldflächen begannen schon um die Jahre 1770, vor allem um landwirtschaftliche Flächen zum Anbau von Nahrungsmitteln für Mensch und Tiere zu gewinnen. Die freiwerdenden Flächen der Rodung wurden in Parzellen (ca. 12 ar) eingeteilt und den Bürgern zur Nutzung überlassen. Es war der sogenannte Bürgernutzen (Eichenteile). Es gab auch noch die kleinen Eichenteile (ca. 5 ar) ganz unten an der Bötzinger Grenze. In diesem Bereich war auch das römische Jagdhaus nahe zum Brandbach. Eine Rodung wurde früher auch als Brand bezeichnet, daher liegt die Vermutung nahe, dass der Bach als Rodungsgrenze diente und den Namen Brandbach erhielt. Auch die im Vorfeld des Baches gelegene Vertiefung war die Brandmatte.Diese Flächen wurden damals überwiegend als Wiesen- und Weideflächen bewirtschaftet. Ebenfalls war das angrenzende Land Zwischenbäch (zwischen den Bächen) als Matten beschrieben. Über dem Mühlenbach waren die Langmatten und Zielmatten (dort stand auch das Schloss Kranzenau). Das Eichholz zur Zeit des Baumbestandes war ein Weidegebiet für Großvieh und Schweine.

Ein weiteres Rodungsgebiet war das Gewann Moos. Hier war auch ein großer Waldbestand zusammen mit dem Dachswanger Mösle, der Herrschaften von Roggenbach. Das Gottenheimer Moos wurde auch als Matten genutzt, wiederum als Bürgernutzen ca. 9 ar saure Matten. Bei den Rekultivierungsarbeiten durch den Moosverband Anfang 1960 wurden einige starke und erhaltene Baumstämme freigelegt. An der oberen Umkircher Grenze gibt es auch heute noch das kleine Gewann Erlenwinkel, was auch eine Deutung auf den Bestand des Waldes im Moos haben dürfte. Die auf der rechten Seite zum Tuniberg gelegenen Matten bildeten das Gewann Studen (Feuchtgebiet mit Staudengräsern) - war bereits im Eigentum der Bürger. Es gab einige Wasserabzugsgräben, die eine Bewirtschaftung als Viehfutter ermöglichten. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, ca. 1925-1935, wurde hier eine große Bewässerungsanlage angelegt. Geflutet wurde diese vom Umkircher Mühlenbach Allmannsbächle. Mit dem Einzug der Mechanisierung und der Technik waren diese Anlagen aber eine wirtschaftliche Behinderung und verschwanden nach und nach Wuhrmatten-Bewässerungsgenossenschaft.

Das ganze Gewann wird vom Studengraben durchzogen, der einer besonderen Erwähnung bedarf. Der Studengraben kommt vom Mundenhof. Er führte die Abwässer der Stadt Freiburg nach Gottenheim. Zuerst werden die unteren Felder des Mundenhofes bewässert (Name Rieselfeld). Die Felder mussten nach der kurzen Bewässerung wieder entwässert werden, das Wasser, besser die Brühe, floss im Waltershofener Studengraben entlang des Studenweges zur Umkircher Straße, von da in Richtung Waltershofen bis zum Zielerweg, ab da im Zielergraben in Richtung Gottenheim. Der Graben unterquerte alle Bäche und Gräben. Beim ehemaligen Wehr am Allmannsbächle war eine Unterfahrung in der Bodenschale. Auf Waltershofener Gemarkung wurde das Wasser noch zur Wiesenbewässerung benutzt. Ab Allmannsbächle war es der Gottenheimer Studengraben, das Wasser hatte sich durch den langen Weg gut ausgefiltert. Im letzten Abschnitt wurden Grund und Wasser?/Graben zugeführt. Am Ibenloch (Ecke Wuhrmatten - Mühlematten) durfte der Graben sich mit dem Ibenbach (Mühlenbach) vereinen.

Anmerkung: In den ersten Bewässerungsgebieten Rieselfeld und Waltershofen traten beim Klauenvieh öfters Finnen (vom menschlichen Bandwurm) auf, was eine starke Verminderung der Fleischqualität bedeutet.

1941 am Ibenloch. Junge: Elmar Hagios

Der Ibenbach war ursprünglich der Mühlenbach. Das Wasser wurde auf der Höhe der Obermatten in den erbauten Mühlenkanal geleitet, zum Antrieb der Mühle. Für die damalige Zeit eine erstaunliche Leistung.

Die Feldwege in der Ebene waren Hauptwege wie von der Zielmatten nach Hinterfalter oder vom Dorf ins Eichholz waren Güterwege, bis zu den Gabelungen in kleinere oder Grenzgewanne, ab da waren es Schlitterwege. Wahrscheinlich Graswege die die Gewanne Oberzwischenbäch und Unterzwischenbäch miteinander verbanden. Ähnlich war auch der Studenweg der übers Oberbachmoos (Obermatte) zum Erlenwinkel führte.


Flurnamen im Tuniberg

Gewannsteine und Gewannnamen im Rebberg

Oberhalb des Umkircher Mühlenbaches (Allmannsbächle) verläuft der Verbindungsweg von Umkirch nach Gottenheim zum Tuniberg. Man kommt auf das Gewann Stegen (Steige zum Berg) auf halber Höhe, ca. 230 m ü.M., in südlicher Richtung liegt das Gewann Frauengarten im Eigentum der Familie Roggenbach (später Familie Kageneck) von Dachswangen. Es sind einige schmale Terrassen mit Abgang zur Waltershofener Straße. Von dieser ging eine Lößtreppe (Riesele) bis zum obersten Boden. Das Gelände war großteils mit Reben bepflanzt. Ein Teil war Ackerland. Die Erträge waren zehntpflichtig nach Umkirch. Man vermutet, dass ein Teil als Liegewiesen der Adelsfrauen benutzt wurde. Es spricht dafür, dass in jenen Zeiten den Titel Frau nur besonders privilegierte tragen durften, denn das gewöhnliche weibliche Geschlecht wurde bis ca. 1860 mit Weiber betitelt. 1764 sind 6 Juchert Acker beschrieben. In einer Niederschrift Clarazins von 1848 ist ein Grundstück im Frauengarten auf Frau Großherzogin Stephanie königliche Hoheit eingetragen. Die Stelle ist heute in etwa noch nachvollziehbar.

Am Frauengarten grenzt das Gewann Prestenberg im Besitz der Adelsfamilie von Prestenberg. Es ist eine klimatisch günstige Lage, in der vor allem Obst, aber auch Reben und andere Kulturen gut gedeihen. Heute wird das ganze Gelände privat bewirtschaftet, es grenzt direkt an den Waltershofer Bann. 1805: 8 Mannshauet Reben (Zehntpflicht).

Weiter südlich im Waltershofener Bann liegt ein weiteres Adelsgelände Küchlehalen. Es dürfte dem Grundbesitzer in Umkirch und ehemaligen Bürgermeister von Freiburg, Küchlin, zuzuordnen sein. Die Haie (Heide = Berg) reicht bis zur Höhe des Tuniberges. Auf dessen Höhe zwischen Küchlinhalen und Prestenberg liegt auf einer Ebene das kleine Gewann „Ellen“. Dieser Name hat einen Zusammenhang mit der Flächenaufmessung. Nimmt man die drei Familienbesitztümer genauer unter die Lupe, kommt man zum Ergebnis, dass alle vom Kleinklima mit bester Bewertung zu sehen sind. Frühe Sonneneinstrahlung, Windstille und der Wasservorrat stimmten.

Im Innern des Tuniberges waren die großen Einzugsgebiete der Längeltalgasse. Sie führte bis zum Kreuz auf Waltershofener Gemarkung. Im Einzugsgebiet war das Pfutteltal (Pflaumental), Rotenerden, Nistel und ein Teil des Bucheltales. Am unteren Ende der Gasse vereinigte sie sich mit der Ausmündung des Stiedlergäßchens.

Im Bereich des Tuniberges gibt es noch einige Gewanne, die sehr klein parzelliert sind, besonders deshalb, weil sie in einer guten vom Kleinklima begünstigten Lage liegen. Die Grundstücke wurden früher bei Erbteilungen aufgeteilt, um das Erbe gerecht zu übergeben, aber auch um die Ernährung zu gewährleisten? Die Grundstücksgröße war 1 - 1,5 Mannshauet. Mannshauet ist die Fläche, die ein Mann mit der Hacke in einem Tag bearbeiten kann, ca. 4,5 ar, 2 Mannshauet sind ein Viertel (9 ar). Es gibt noch eine Unterordnung in Fläche, 1 Huffen (Steckenhaufen) ist etwa 1/2 Mannshauet. Der Steckenhaufen bestand aus den im Vorwinter gezogenen Rebstecken, die mit dem Spitz nach oben zu einem Huffen zusammengestellt wurden. Das Steckenliechen (Steckenziehen) und im Frühjahr wieder sticken (einschlagen), war ein Brauch, der von den Römern übernommen und weitergeführt wurde. Bei uns gab es noch Haufen bis Mitte der 1960er.

Die Zusammenfassung dieser Kleinparzellen wurde als Stück oder Stückli bezeichnet. Ein halber Haufen war bis 1799 etwa 1 Stiegele. Die Kleinflächen findet man hauptsächlich in den Gewannen Krimpelen, Einpflanz, Loch, Dussel, Oberkirchtal, Breike und Bestenrain. Früher waren die Gewanne Weingarten, Stiedler, Bennenreben und Vogelsang sehr kleine Parzellen und wurden durch Flurbereinigung neu geordnet. Für diese Kleinparzellen gab es kaum Zufahrtswege. Die Ernte wurde bis zum nächsten Weg getragen, Stallmist wurde mit der Misthutte auf's Grundstück getragen.

Lageplan alter Rebberg vor Umlegung

Die Westseite des Tunibergs war mit mehreren kleinen Hohlgassen und mit kleineren Seitentälern durchzogen. In Verlängerung der Riedstraße, von den alten Leuten auch Noller genannt (in Verbindung mit dem Nollen beim Gewann Stegen kann dies mit der Überwindung eines Berges / Buckels zusammenhängen), ging es zur Pfiffergasse. Sie ist einziger Verbindungsweg von Gottenheim nach Merdingen. Über die kleine Anhöhe des Pfiffers (= windige Lage) erreicht man den Norgenmit seinen kleinen unwirtschaftlichen Parzellen. In diesem Bereich liegt ein kleines Gewann, das Bubental und nach Westen zum Ried abbiegend Brudershalden (Brudershalde). Dort sind auch kleine Quellen, eher so eine Fundstelle römischer Kultur und oberhalb des Merdinger Waldes das gut erhaltene Römerbad.

Links der Pfiffergasse war das kleine Hölderlegässle als Zufahrt zu Langackern und Grauen mit überwiegend gutem Ackerland. Die nächste war die Nussbaumtalgasse mit einem größeren und vielseitigen Einzugsgebiet. Acker, Reben und Obst, links abgegrenzt von den hohen Reihen von Bennenreben und Vogelsang. Unter den Rainen kam die Sonne erst nachmittags, deshalb Flurnamen wie Kühlermorgen und Winterlishalen.

Diese drei Hohlgassen brachten bei starken Niederschlägen so viel Wasser und Schlamm, dass sie bis zur nächsten Ausbesserung durch den Frontrupp nicht befahrbar waren. Diese genannten Hohlgässchen auf der westlichen Seite hatten auch eine andere Bodenstruktur, nämlich Löß-Lehm. In der Pfiffergasse holte man den Lehm zum Aufbau und zur Reparatur der Kachelöfen und Herde, auch für die Streifböden der Häuser. Die guten Schwemmlandböden von Brunnen und Vorried sind größtenteils Ablagerungen der Ausschwemmungen. Das Wasser der Längeltalgasse und Stiedlergässchen floss ins Gewann Brunnen-Vorried, kurz nach der Riedstraßenkurve.