Die Vorfahren von R.Hunn

Richard Hunn, geb. 1933 in Gottenheim, hat viele Jahre wertvolle historische Infos gesammelt Dorfarchiv, Landwirtschaft, Infrastruktur, Flurnamen, Kriege, Ahnenreihe Hunn

Unterstützt von anderen Gottenheimern hat er verschiedenste Urkunden, Fotos, Erzählungen und Berichte über das Leben der Vorfahren in Gottenheim zusammengetragen, geordnet und dem Gemeindearchiv zur Verfügung gestellt.

Um dies Alles für die Zukunft zu bewahren und zu veröffentlichen, werden sie derzeit digital erfasst.

Teamwork: Richard Hunn & Kurt Hartenbach

Herkunft des Nachnamens Hunn

Vermutlich ein Germanenstamm hessischer Herkunft. Die Hessen waren ein altes Landgrafengeschlecht. Angesiedelt bei uns nach dem dreißigjährigen Krieg 1618-1648. Gottenheim wurde am 17. Juni 1632 von den Schweden niedergebrannt. Erneut zerstört wurde er in den Jahren 1676 und 1705. 1805 kam Gottenheim zum Großherzogtum Baden. Der Name ist ein angenommener Rufname nach dem Henry Hunn. Er ist erwähnt 1185 als Schöffe zu Cöln, auch das Familienwappen dessen wurde übernommen. Das Wappen wird beschrieben als das einer Ritterschaft und Adelsfamilie aus Hessen.

Hinweis: Im Jahre 1270 ist ein Rudi Hunn bei Basel erwähnt Es besteht die Annahme, dass er ein Mann der Kirche war. Ein weiterer Hunne (Hunnius): Dr. Aegidius Hunne. Professor der Theologie, geb. 1550, verst. 1608 in Wittenberg. Das Hunnius deutet auf eine lateinische Aussage hin, das Wappen desselben ist auch ein anderes.

Die Germanenstämme, ein Volk ohne Nationalgedanken, lebten in Einzelhöfen (Weilern) und betrieben Ackerbau, Viehzucht und Jagd. Sie lebten in Sippen. Zu Beginn der Völkerwanderung, 375 n. Chr., wurden durch sie und den Alemannen die Rhein- und Donaugebiete besiedelt (Westgermanen). Die Nordgermanen von Dänemark und Schweden drängten nach Süden. Die Ostgermanen zog es in die Ukraine bis zum Schwarzen Meer. Religion: Verehrung göttlicher Mächte in Quellen, Häusern und Felsen. Keine Götterbilder und keine Priester. Der Name Hunn hat mit Attilas Hunnen um 375 n. Chr. keinen Zusammenhang — ein innerasiatisches Volk. Attilas Tod war 453 n.Chr.


Richard Hunns Ahnenreihe 1667-1933.jpg

Die Versuche den Hunnenstamm von Gottenheim vollständig zu ergründen, scheiterten an der großen Anzahl der Familien (heute sehr rückläufig), die nur über die Niederschriften in den Kirchenbüchern in mühevoller Arbeit zu bewältigen wäre. Es zeigte sich aber eindeutig, dass Gottenheim der Haupt- und Stammsitz des Familienname Hunn ist.

Sehr viele sind alleine oder mit ihren ganzen Familien nach Amerika ausgewandert. Manche ließen sich auch in den Industriegebieten von Mannheim bis Nordrhein—Westfalen nieder. Ein kleinerer Teil lebt im Norden. wo sie bei der Schifffahrt ihr Leben fristeten oder auch aus Angst vor der Überfahrt nach Amerika an Land blieben. Durch die Wirren der Kriege des letzten Jahrhunderts haben sich einige auch in anderen Gegenden niedergelassen. Viele Hunn's in unserer Raumschaft hatten ihren Stammsitz in Gottenheim nachweislich durch Ausheirat:

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Verbreitung des Familiennames Hunn Gottenheimer Familien 1928 nach Nachnamen 5 Generationen Vorfahren Richard Hunn 10 Generationen Vorfahren Richard Hunn
Alle Daten: Archiv Richard Hunn


Richard Hunns Vorfahren

Ansporn war die Erstellung eines Stammbaumes nach den Niederschriften der Gottenheimer Kirchenbüchern, erstellt von Hubert Heitzler aus Umkirch anno 2010. Ich werde versuchen Überliefertes unserer Familie wiederzugeben und vorhandene Dokumentationen aufzuarbeiten. In unserem Elternhaus wurde öfters über erzählte Vorkommnisse und Begebenheiten aus früheren Jahren, auch bei den Vorfahren, gesprochen.

Meine Großeltern

Unser Großvater Richard Hunn (Paul Hunns Sohn) heiratete am 01.03.1897 Ottilia Keller:

Großvater Richard war mit Leib und Seele Landwirt und eher ein konservativer Mensch, er war 5 Jahre alt als seine Mutter nach der Geburt des siebten Kindes mit 39 Jahren verstarb. Sein Vater Paul heiratete nochmals, am 14.02.1876 eine Maria-Anna Schneider, Paul verstarb am 07.09.1888, Großvater Richard war damals gerade 18 Jahre alt. An seine Stiefmutter hatte er nicht nur positive Erinnerungen, er schlug sich mit Arbeitswillen durch und baute 1909 in der Bötzinger Str. ein neues Anwesen. (Einzug 1910). Nach Aussage meines Vaters Josef durften die Kinder bei Anwesenheit fremder Personen ihre Eltern nur mit 'Ihr' nie mit 'Du' ansprechen. Die Kinder mussten in der Landwirtschaft mitarbeiten und mithelfen für das Futter der Tiere zu sorgen. Großvater war auch mit seinen Schwiegereltern nicht im besten Verhältnis (aufgrund Erbteilung). Bei einer Mission in der Kirche war Pfarrer Keller bestrebt in entzweiten Familien Frieden einkehren zu lassen, so kam er auch zum Großvater um mit der heiligen Schrift den Frieden wieder herzustellen. Großvater belehrte den Pfarrer aber mit einem Zitat aus der heiligen Schrift Du sollst erst den zugefügten Schaden wieder gut machen, worauf der Pfarrer mit der Beschimpfung Sozialdemokrat, Sozialdemokrat!, das Haus verließ.

Großmutter Ottilia war sehr religiös geprägt was sich auf die Kinder übertrug, da sie aus einer sehr frommen Familie stammte. Sie lebte sparsam und bescheiden und war auch zum Teilen mit anderen bereit. Es wurde neben den eigenen fünf Kindern noch ein Waisenpaar aus dem Dorf aufgenommen: Franz und Maria Hartenbach (?), deren Eltern verstorben waren. Sie war eine gute Hausfrau und Mutter der Familie, sie prägte mit ihrem tiefen Glauben die ganze Familie. Sie nähte alle Kleider der Kinder, sie hatte schon sehr früh eine Nähmaschine mit Handantrieb, diese stand lange bei uns auf dem Speicher und wurde schließlich entsorgt. In der katholischen Kirche gab es einen weltlichen Orden auf der Grundlage des Lebens der Franziskaner, dem auch Oma Ottilie angehörte. Vorbild war die heilige Elisabeth von Thüringen. Die Mitglieder waren Frauen und Männer, ledig oder verheiratet, die ein frommes Leben wollten, außerhalb der Klostermauer, daher der Name Dritter Orden hier erfüllte sich ihr Lebensinhalt. Bedingungen des Ordens waren tägliche Gebete und deren gutes tun. Frauen trugen im Gebet und innerer Einkehr einen Gürtel aus einem Wollstoff am Körper mit Bändern an deren Ende religiöse Bildvorstellungen waren wie Kreuzweg und dergleichen. Ein solches Kleinod war bei uns auf dem Speicher welches ich bei dem Umbau in den 1960er-Jahren in Unwissenheit entsorgt habe, heute wäre dies ein interessantes Relikt. Ottilia hatte auch einige Gebetbücher von Pfarrer Keller unter anderem mit Ablassempfehlungen. Beim andächtigen Lesen der Gebete konnten Sündenablässe für eine jeweils angegebene Zeit erhofft werden, um so die Gluten des Fegefeuers zu lindern...

Über die großmütterliche Familie Keller ist nicht allzu viel bekannt:
Vater Sigmund Keller * 27.10.1830 † 05.04.1908 war nach Erzählungen älterer Leute ein sehr auf sein Vermögen besonnener Mensch, was seine Kinder bei der Erbübergabe positiv zu spüren bekamen. Er war auch bei Vormundschaftsverhandlungen als örtlicher Waisenrichter tätig. Am 26. Oktober 1857 verheiratet mit Magdalena geb. Wiloth * 19.07.1853 † 01.11.1893 mit 47 Jahren nach 10 Geburten. Sie war die Tochter von Wiloth Konrad * 28.02.1793, † 61 Jahre alt, und Meyer Monika * 28.03.1793 † 67 Jahre alt.

1910 Fam. Richard Hunn

Die Nachkommen unserer Großeltern:

  1. Ottilie Hunn * 28.05.1900 † 27.11.1980; ledig
  2. Josef Hunn * 06.08.1901 † 07.06.1958; 2 Nachkommen
  3. Katharina Schwenninger * 07.07.1904 - † 17.08.1942; 2 Nachkommen
  4. Paul Hunn * 27.07.1907 † 26.03.1980; 4 Nachkommen
  5. Peter Hunn * 05.01.1909 † 05.08.1984; 2 Nachkommen

Kinder von Richard Hunn und dessen Ehefrau Ottilia, geb. Keller

Ottilie Hunn, geb. am 28. Mai 1900, ging nach dem 1. Weltkrieg in den Haushalt einer damals noblen Familie in Freiburg, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Familie war sie bis zu deren Auflösung aus Altersgründen Anfang der fünfziger Jahre beschäftigt. Sie galt als fester, zuverlässiger Bestandteil dieser Familie. Nach Beendigung des Krieges (Mai 1945) wurde das Anwesen der Familie Mühe von den Franzosen teilbeschlagnahmt. Dort wurde die Hauptdienststelle des französischen Roten Kreuzes untergebracht. Diese musste Ottilies Haushalt mitversorgen. Die militärischen Dienstherren, ein Colonel und ein Capitaine waren sehr nette Leute, was uns sehr zugute kam in Form von damals nicht erwerbbaren Sachen wie Seife, Kaffee, Schokolade und zum Teil auch Kleidung. Ottilie arbeitete bis zu ihrer Rente noch an verschiedenen Stellen. Die Zeit des Ruhestandes verbrachte sie als hilfsbereite Tante in unserer Familie bis zu ihrem Tode am 25.11.1980. Sie war ein fröhliches, aber auch sehr religiöses Wesen.

Josef Hunn, geb. am 6. August 1901, verheiratete sich 1932 mit Helena Schwenninger. Sie sollten das Anwesen Schwenninger in der Hauptstraße (Haus Nr. 188) weiter führen. Da jedoch der noch zu Hause (Anwesen Hunn) arbeitende Bruder Paul Hunn in das Anwesen Erika Selinger einheiratete, übernahmen Josef und Helena das Anwesen Hunn und betrieben die Landwirtschaft. Mein Vater (Josef) war ein ruhiger, in der Gemeinde beliebter Mitbürger, der Freude am Vereinsleben und der Geselligkeit hatte. Seine innere Einstellung, Naturverbundenheit und von Hilfsbereitschaft und Gottesfurcht geprägt, hielten ihn von der damaligen Partei fern. Mit Ausbruch des Krieges 1939 wurde er wie auch noch andere Landwirte zum Reichsarbeitsdienst zum Ausbau des Westwalls einberufen. Im Jahre 1943 wurde er noch zur Wehrmacht eingezogen. Er war der Älteste im Dorf, der einzogen wurde. In der Artillerie-Kaserne in Rastatt musste er Pferde ausbilden (einfahren), was ab Herbst 1944 bei Tage kaum mehr möglich war durch das starke Aufkommen feindlicher Jagdflugzeuge. Bedingt durch die näher rückende Front wurde nachts nur noch Nachschub gefahren, um die Front aufzuhalten. Den Rückzug erlebte er über den Schwarzwald bis zum Hochrhein. In Epfenhofen spannte er seine Pferde aus und ging zu Fuß in Richtung Heimat. Am Abend des 09. Mai 1945 kam er verkleidet als Schwarzwälder Bauer mit schwarzem Schlapphut in der Heimat bei seiner Familie an. Durch die Strapazen dieses monatelangen Nachtlebens waren seine Bronchien schwer angeschlagen, was zu einem Dauerleiden führte und seine Lebenserwartung stark beeinträchtigte. Unser Vater verstarb im Juni 1958 im Alter von 57 Jahren an dieser Krankheit. Der Dank des Vaterlandes war ihm ab ca. 1950 gewiss. Nach mehreren Untersuchungen wurde sein Leiden teilanerkannt und er bekam eine monatliche Rente von 7,35 DM, was nach seinem Tode entfiel (keine Witwenrente).

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1910 Fam. Richard Hunn vor neuem Haus Bötzingerstr. 10 ca. 1930 Richard Hunn mit Pferdegespann 1920 / 1934 Hauptstr. 42 (Spezereiladen Schwenninger) ca. 1912 Fam. Karl-Anton Schwenninger
Alle Bilder: Archiv Richard Hunn


Histor. Dokumente Richard Hunn