Volkstrauertag in Gottenheim
2010
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Alle Bilder: Kurt Hartenbach
2008
- Wie jedes Jahr am Volkstrauertag versammelten sich Bürger, Vertreter der politischen Gemeinde, der Freiwilligen Feuerwehr, des Musikvereins, des Gesangsverein und
des Heimat- und Trachtenvereins nach einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst vor der Kirche St. Stephan beim Ehrenmal der Gefallenen beider Weltkriege.
- Bürgermeister Volker Kieber erinnerte in seiner Rede an das Leiden und die vielen Toten der Kriege bis in die heutige Zeit.
Er rief dazu auf, die Vergangenheit nicht zu vergessen und gemeinsam gegen die globale und alltägliche Gewalt anzugehen.
- Zum Abschluß legte BM Kieber zusammen mit Abgeordneten der Freiwilligen Feuerwehr zwei Kränze am Gefallenendenkmal nieder.
Rede zum Volkstrauertag
Gehalten von Bürgermeister Volker Kieber am 16. November 2008 in Gottenheim:
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
heute ist Volkstrauertag.
Seit 1922 ist das für unser Land der Tag, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken.
Es ist aber auch der Tag, an dem wir eines Teils der deutschen Geschichte erinnern, die andere gerne vergessen würden oder leugnen.
Wie in jedem Jahr stehen wir hier am Denkmal vor der Kirche, zu Ehren der Gefallenen und Vermissten des 1. und 2. Weltkrieges.
Geben wir unseren Gefühlen die Freiheit, die Schicksale von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, auch wenn wir Sie nicht gekannt haben, nachzuempfinden.
Wir müssen uns die Hoffnung erkämpfen, jeden Tag neu, sie wird uns nicht geschenkt,
die Hoffnung, dass durch unser erinnern kein Mensch vergessen wird, der hier gestorben ist
die Hoffnung, dass durch diese Erinnerung Menschen aufmerken und sich dem Unrecht entgegen stellen das heute geschieht,
die Hoffnung, dass Menschen es endlich lassen Kriege zu führen und einander zu vernichten,
die Hoffnung, dass wir nicht vergeblich hoffen angesichts des nicht kleiner werdenden Elends um uns herum und in allen Teilen der Welt.
Terror, Gewalt, Folter, und Unterdrückung, Macht und Ohnmacht, Not und Angst, das sind Zustände mit denen viele Menschen dieser Erde jeden Tag leben müssen.
Diese Dinge geschehen heutzutage nicht mehr nur andernorts, die Bedrohung ist auch hier, in Deutschland, spürbar.
Wir können nicht dankbar genug sein, dass Deutschland seit nunmehr als 63 Jahren Frieden hat.
Wir dürfen aber auch nicht nachlassen, das Recht auf Frieden und Freiheit für uns und für andere zu fordern, die es nicht haben.
Leider ist die weltweite Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung des Willens von Menschen, Gruppen oder Staaten
über andere nach wie vor sehr ausgeprägt und die Grundlage für komplexer gewordene Formen der Bedrohung.
Entwickelt hat sich eine Globalisierung der Gewalt.
Sie beängstigt uns allerdings weniger als sie eigentlich müsste. Sie ist mittlerweile Bestandteil unseres Alltags geworden. Sie ist Normalität.
Von den Millionen Bürgerkriegsopfern der letzten Jahre und ganz aktuell in Afrika spricht niemand.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, vergangen ist die Vergangenheit nicht, sie droht allerdings vergessen zu werden.
Deshalb ist es unsere Aufgabe die Botschaft des Denkmals ernst zu nehmen. Zu erinnern und zu mahnen.
Das Denkmal kann nur Symbol sein, seine Aussage lebt nur in uns und durch uns.
Wir müssen aber auch versuchen, die Gegenwart neu zu entdecken.
Versuchen uns selbst neu zu verstehen. Versuchen die richtigen Schlüsse zu ziehen und versuchen unser handeln daran zu orientieren.
Im Sinne der Gefallenen und Vermissten hieße das, die unmittelbare Bedrohung durch Kriegshandlungen zu verhindern, kriegerische Auseinandersetzungen zu ächten.
Gewalt ist heute leider in unserer Gesellschaft zu einem Alltagsphänomen geworden.
Die Ursache liegt wohl darin, dass wir nicht mehr die nötige Ehrfurcht vor dem Leben haben.
Vielleicht liegt dies daran, dass selbst unsere Kinder schon sehr früh durch die moderne Medienwelt spielerisch mit Gewalt konfrontiert werden.
So sehen heute unsere Kinder laut einer Untersuchung bis zum 10. Lebensjahr bereits 16 000 Gewaltszenen im Fernsehen und sonstigen Medien.
Vielleicht liegt es auch daran, dass viele Eltern nicht mehr in der Lage sind ihren Kindern die notwendige Zuwendung und Erziehung zukommen zu lassen.
Vielleicht liegt es daran, dass über den Missbrauch von Kindern heute fast täglich berichtet wird.
Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass wir uns im Verkehr heute rücksichtslos verhalten.
Vielleicht gehen wir deshalb oft respektlos mit älteren Menschen um.
Vielleicht pflegen wir deshalb oft einen verächtlichen Umgang mit vermeintlich schwächeren Mitmenschen.
Vielleicht sind wir deshalb oft zu sehr auf unseren eigenen Vorteil fixiert und gönnen unseren Nächsten nicht denselben.
Lassen Sie uns die Gegenwart bewusster und ehrlicher betrachten und uns fragen, ob wir, und da schließe ich mich ein,
die Würde unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger genügend beachten und lassen Sie uns die Kraft und die Qualität des Zusammenlebens in unserer Gemeinde spüren.
In diesem Sinne spreche ich nun die Totenehrung im Namen der Gemeinde Gottenheim und des VdK, Ortsgruppe Gottenheim.
Wir gedenken heute der Opfer von Krieg und Gewalt:
Der Soldaten, die in den beiden Weltkriegen gefallen, ihren Verwundungen erlegen, in der Gefangenschaft gestorben oder seither vermisst sind.
Der Männer, Frauen und Kinder aller Völker, die durch Kriegshandlungen ihr Leben lassen mussten.
Wir gedenken derer, die im Widerstand, die um ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens Willen Opfer der Gewaltherrschaft wurden und
derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder
deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken der Männer und Frauen und Kinder, die infolge des Krieges, auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat
und im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren.
Wir gedenken der Bundeswehrsoldaten die in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung,
um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten.
Wir trauern mit den Müttern, mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Doch unser Leben gilt der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und den Völkern und Frieden auf der Welt.