Die Geschichte von Gottenheim

Quelle: Chronik 900 Jahre Gottenheim 1086-1986 von Lia Kuhn & Dr. Walter Fauler, auf dem Rathaus erhältlich.
Von Kurt Hartenbach hier mit weiteren Details z.B. Eisenbahnbau, Karten und Fundstellen aus dem Internet ergänzt.
Gottenheimer Dorfidyll um 1950
Chronik: 900 Jahre Gottenheim

Belegstelle 1086, Auszug: Geschichte der Herzöge von Zähringen

Weitere Fundstellen Gottenheim: Badische Historische Kommission

Die Geschichte von Gottenheim reicht nachgewiesenermaßen aber viel weiter zurück als die erste urkundliche Erwähnung:


Die Kelten (Bronzezeit)

Im 1. Jahrtausend v.Chr. bewohnten Kelten den südwestdeutschen Raum, sie bevorzugten fruchtbare Lößgebiete und legten schon große Siedlungen an.

Die Karte des Landes Baden-Württemberg, auf der bronzezeitliche Fundstätten eingetragen sind, zeigt eine auffallende Dichte am Tuniberg, March und südlichen Kaiserstuhl. Karte: Kelten in Europa Fundstelle: Wikipedia

1847 fanden Torfstecher im unteren Ried ein Bronzebeil. Das Werkzeug wird zeitlich zwischen 1000 und 850 v.Chr. eingeordnet.

Aus der gut entwickelten keltischen Sprache blieben nur Orts- und Gewässernamen erhalten. Dazu zählt die Bezeichnung Tuniberg (Tuni = tun = Zaun).


Die Römer

Obwohl römische Truppen unter ihrem Heerführer Julius Caesar schon im Jahre 58 v.Chr. am Oberrhein standen, und Kaiser Augustus ganz Germanien bis zur Elbe erobern ließ, erfolgte die eigentliche Besetzung und gezielte römische Erschließung der rechts des Oberrheins liegenden Gebiete erst unter der Herrschaft Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.).

Dem Militär folgten zivile Siedler aus dem gallo-römischen Raum, es entstanden Lagerdörfer und Landgüter, sowie kleine Handelsplätze (Endingen). Zahlreiche villae rusticae sind bekannt, jedoch nur wenige davon archäologisch erforscht. Auf Gottenheimer Gemarkung liegen drei Fundstellen.

Die Bewohner der römischen Gutshöfe brachten den Wein- und Obstbau in unsere Heimat, ihre Kultur, Häuser- und Straßenbau, Badeanlagen, Handel, Gewerbe und Geldwesen prägten die nachfolgende Zeit.


Die Alemannen

Um das Jahr 250 n.Chr. durchbrachen die Alemannen den Limes und wanderten in das römische Zehntland ein. Doch erst nach 401 als die Truppen zum Schutze Roms gegen den Westgotenkönig Alarich abberufen wurden, konnten Sie das Gebiet zwischen Main und Alpen in Besitz nehmen. Sie siedelten sich an den von den Römern verlassenen Orten an, lebten von Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischfang. Ihre Waffen und Werkzeuge waren im Vergleich zu den Kelten einfach, doch verstanden sie die Kunst der Eisengewinnung, der Schmied wurde zum wichtigsten Mann im Dorf. Die Freilegung von alemannischen Gräbern auf dem nördlichen Tuniberg um 1955 lassen auf eine ihrer Siedlungen in Gottenheim schließen, die wahrscheinlich im Kirchtal lag.

An den Einbruch der Hunnen im Oberrheintal 451 n.Chr. erinnert der Attilafelsen. Der Hunnensturm hinterließ niedergebrannte Orte und verwüstete Felder. Die Alemannen stellten sich in der Folgezeit unter den Schutz des Ostgotenkönigs Theoderich. Von Nordwesten drohte neue Gefahr. Die Franken schlugen unter ihrem König Chlodwig die Alemannen 496 und drängten sie bis zur Murg (bei Rastatt) zurück, wo bis heute die fränkisch-alemannische Sprachgrenze verläuft. Nach dem Untergang des Ostgotenreiches stellte sich das Volk unter die Schutzherrschaft des Frankenkönigs Theudebert I, der fränkische Einfluss verstärkte sich, irische Mönche verbreiteten die christliche Lehre, bauten Kirchen und gründeten Klöster.

747 n.Chr. wurden die Alemannen ganz in das Frankenreich eingegliedert. Das südliche Baden-Württemberg mit Mittel- und Südbaden, Oberschwaben, Vorarlberg, die deutschsprachige Schweiz und das Elsaß bilden heute noch den gemeinsamen alemannischen Sprachraum.


Die erste urkundliche Erwähnung

Der Name GOTEHEIM steht erstmals im Gründungsbericht des Klosters St.Georgen im Schwarzwald, welcher die überschrift trägt: notitiae fundationis et traditionum monasteri Sanctii Georgii in Nigra Silva.
Am 13. Januar 1086 n. Chr. erfolgte die rechtliche Übertragung. Anlässlich dieses feierlichen Aktes schenkte Hezelo, Vogt der Abtei Reichenau, an St.Georgen mehrere Güter im Breisgau, darunter solche in GOTEHEIM. Fundstelle.

Zur vermuteten Herkunft des Namens Gottenheim: Es sind nicht die Goten, die hinter dem Namen stecken, sondern ein alter Germane namens Gottfried, Gotthard, Gottwin, Gottbert, Gottmar usw., der dann kurz Got(t)o gerufen wurde. Also des Got(t)en Heim
Quelle: Albert Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 1904, S.736.


Armut und Not durch Kriege, Hunger und Krankheit

Die Pest

1347-1352 wurde ganz Europa von der Pest heimgesucht. Im Breisgau nennt man das Jahr 1350 allgemein das Jahr des Schwarzen Todes. Ortschaften und Familien starben aus, die Friedhöfe konnten die Leichen nicht mehr fassen, die Felder blieben unbestellt. Die Seuche wurde aus dem Süden eingeschleppt, durch verpestetes Wasser, Ratten und Flöhe verbreitet. Zur Abwehr entzündeten die Menschen Notfeuer, verbrannten Bibernelle, Wacholder und Baldrian, zogen Gräben um ihre Dörfer und läuteten die Glocken, um den bösen Geist zu bannen. Die Häuser der Verstorbenen zündete man kurzerhand an.

Eine letzte Zuflucht fanden die Leidenden in ihrem Glauben. Sie errichteten Pestkapellen, - Albans-Kapelle in Bötzingen/Oberschaffhausen - stellten Pestkreuze auf, riefen die Pest-Patrone: St.Georg als Drachentöter, Rochus und Sebastian um Hilfe an, gelobten jährliche Pestprozessionen abzuhalten oder Passionsspiele aufzuführen.

Noch zweimal wütete die Seuche in unserem Dorf in den Jahren 1564 und 1633.

Die Reformation

Die Reformation, begonnen durch Martin Luthers Thesen-Anschlag in Wittenberg am 31.10.1517, blieb auch für Gottenheim nicht ohne Folgen; denn von nun an bestimmten die Herren die Religion der Untertanen. Die vorder-österreichischen Gemeinden: Gottenheim, Merdingen, Wasenweiler... blieben katholisch, die Orte des Markgrafen von Baden-Durlach: Bötzingen, Oberschaffhausen, Ihringen... wurden evangelisch.

Das Kranznauische Lehen war also religiös gespaltet. Gab es vorher schon Grenzstreitigkeiten zwischen den Gottenheimer und Bötzinger Bauern, so verschärfte sich die Lage noch mehr. 1525 wurde Hans Nüfferlin als Ketzer auf dem danach Heidnisch Grab oder Heidersgrab genannten Gewann hingerichtet und verscharrt. Gegen diese Eigenmächtigkeit erhob die Regierung der Markgrafschaft Baden-Durlach Beschwerde.

Leibeigenschaft und Bauernkrieg

Zu jener Zeit betrachteten die Herren nicht nur Land und Hof als ihren Besitz, sondern auch die Menschen, die für sie arbeiteten, als Leibeigene. Die ursprünglich wenigen Frondienste - 1 bis 2 Tage im Jahr - wurden auf immer längere Zeiträume ausgedehnt, und waren diese früher auf die arbeitsfreie Zeit der Bauern beschränkt, so holten die Häscher sie jetzt oft mit Gewalt von den Feldern. Die Herren ritten mit ihren Jagdgesellen rücksichtslos durch die bestellten Felder, verwüsteten die Äcker und zerstörten die Ernte. Konrad von Kranzenaus Untertanen klagen: er hab eim sine korn underbracht, dem andern sein Reben, dem vierten sin matten, dem funfften sin bonne uffgeretzt, die der Arman gesetzt het.

Bundschuh Joß Fritz, aus der Pfalz nach Lehen geflüchtet, sammelte die zu recht erbitterten Bauern und organisierte den Aufstand. Symbol der Erhebung war der Bundschuh, das Zeichen der Erniedrigung (kein Bauer durfte einen anderen Schuh oder gar Stiefel tragen!). Am 9. Oktober 1513 sollte die Fahne des Aufruhrsauf der Kirchweih in Biengen entfaltet werden. Der Plan wurde jedoch verraten, und in der Nacht des 1. Oktobers die Verschwörer überwältigt.

Nachdem sich die im ganzen Südwest- und Mitteldeutschen Raum aufflackernden Erhebungen zu einem Krieg entwickelt hatten, zogen 1525 die Gottenheimer Bauern erneut gegen ihre Unterdrücker. Sie brannten das Schloß Kranzenau nieder und setzten die Dachswanger Mühle in Flammen. Im Auftrage Österreichs sammelte Wilhelm von Rappoltstein Truppen, welche die schlecht bewaffneten, erfahrungslos geführten Aufständischen leicht zerstreuten. Schon am 1. Mai 1525 war die Rebellion niedergeschlagen.

Im Offenburger Unterwerfungs-Vertrag vom 18. September 1525 wird Hans Stricher aus Gottenheim als Rädelsführer genannt. Er wurde zur Rechenschaft gezogen und bestraft, jedoch nicht wie andere Hauptschuldige hingerichtet. Allen an der Erhebung beteiligten Gemeinden wurde eine Brandschatzung von 6 Gulden je Herd auferlegt. In Wirtshäusern und auf Kirchweihen schwelte der Aufruhr weiter. Jakob Zimmermann von Gottenheim erzählte von Michael Gaismair, der in Tirol einen Bauernstaat errichten wollte. Doch Erzherzog Ferdinand von Österreich ließ jede weitere Erhebung im Keim ersticken.

Der 30jährige Krieg

Der Ausbruch des 30jährigen Krieges berührte Gottenheim zunächst wenig. Zwar zogen 1619-1622 viele Truppen durch den Breisgau, es kam aber zu keinen Kampfhandlungen. Die katholischen Fürsten schlossen sich zur Union, die evangelischen in der Liga zusammen, die durch den Eingriff der Schweden eine bedeutende Verstärkung erhielt.

Als die Schweden nach Süden vordrangen, mussten die Festung Breisach, vor allem aber die Stadt Freiburg verstärkt werden, was harte Fronarbeit bedeutete. Die schweren Kriegsleiden begannen, als die Schweden Endingen, am 30. Dezember 1632 Freiburg eroberten und die Festung Breisach belagerten. Um die völlige Einkreisung zu verhindern, überfiel der Breisacher Kommandant Montecuccoli am 16. Juni 1633 die bei Gottenheim stehenden Schweden und zwang sie zum Rückzug. Dabei wurde das Dorf fast völlig zerstört, von der Kirche blieb nur der Turm stehen.

1634 lesen wir in einem Bericht an die österreichische Regierung: Hochstetten und Hartheim sind demoliert, die Flecken der Umgebung verödet, die Bevölkerung auf ein Viertel zurückgegangen, nur noch 5% des Bodens ist bebaut. Der arme Knecht hat kein Kleid am Leibe, keine Schuhe am Fuß und zum Essen in der Not Eichelbrot. 1635 heißt es: ...in Mördingen, Waltershofen und Dachswangen ist alles zerschlagen, nicht eine bewohnbare Hofstätte und nicht ein einziger Untertan zu sehen, die meisten sind Hungers gestorben... Wenn Gottenheim in diesem Report nicht erwähnt wird, so nur deshalb, weil es nicht im Herrschaftsbereich des Berichters lag.

1638 wurde Breisach noch einmal belagert und fiel am 12. Dezember in schwedische Hand. Die Österreicher eroberten 1645 Freiburg. Ob Union oder Liga, ob Freund oder Feind, beide erpreßten und töteten die Bauern gleichermaßen, und am Ende des Krieges 1648 war unsere Heimat total verwüstet.

Krieg zwischen Frankreich und Österreich

Man kann wirklich nicht sagen, dass in den folgenden Jahren das Land in Ruhe wieder aufgebaut werden konnte.
Breisach war französisch, Freiburg von Ende 1677 bis 1697 ebenfalls. Die Breisacher Brenner trieben Kriegssteuern ein: Materialien, Geld- und Heuabgaben. Die Dörfer litten unter Raub, Plünderung und Brand. Die Erbitterung der gequälten Bauern war groß. So erschlug 1703 Georg Waibell, der Kueferlin von Gottenheim im Dachswanger Bann einen französischen Überläufer.

Tipp: Forschungsarbeit von Volker Brecht: Der Grenzstein Neuershausen - Buchheim - Gottenheim

Am 1. März 1799 ergeht ein Aufruf an die Einwohner des österreichischen Breisgaus: Unser Vaterland ist in naher Gefahr vom Feinde wieder überfallen zu werden...Aber Leider! hat der Krieg nun schon lange unser Land geplaget, und jetzt sollen die Uibel desselben durch einen abermaligen feindlichen Einfall aufs neue vermehrt werden!... Im November 1799 wurden alle Waffenfähigen vom 18. bis 50. Lebensjahr registriert, dabey anzumerken, wer selbst mit einem Schießgewehr versehen sey. Karte Vorderösterreich um 1800

Am 25. April 1800 kam eine französische Armee bei Breisach über den Rhein und rückte über Merdingen und Gottenheim vor. Nach einem Gefecht bei Hugstetten und Lehen besetzten sie Freiburg. Die traurige Lage beschreibt ein Zeitungsartikel vom 2. Januar 1802: ...Die kostbare Verpflegung der Truppen...hat dieses durch einen 10jährigen Krieg, und feindliche Brandschatzung zerrüttete Ländchen an den Rand des Verderbens gebracht.

Das durch Napoleon I. Gnaden zum Großherzogtum Baden erhobene Land musste dem Kaiser dafür 8.000 Mann zur Führung seiner Kriege stellen. Sammelplatz für die Region war Buchheim. Wieviele Gottenheimer sich unter den Rekruten befanden, ist nicht bekannt. Die Truppen mussten nach Spanien ziehen. Nach einem Kampf am 7. August 1810 wird vermerkt: Die braven badischen Voltigeurs (Elitetruppe der Infanterie) vertheidigten sich mit Verzweiflung, bis alle Patronen verschossen waren und wurden zuletzt niedergemacht... An Napoleons Rußlandfeldzug mussten 6.000 Badener teilnehmen, von welchen nur 400 zurückkehrten.

Hunger- und Teuerungszeit, Badische Revolution

Nach dem Befreiungskrieg 1813 kam der ganze Breisgau durch die einquartierten Truppen der Verbündeten - darunter Russen und Österreicher - in schwere Bedrängnis. Gottenheim zahlte - als Beispiel die Eintragung von 1815 - an Kriegskosten:
4.560 Gulden Barleistung
3.930 Gulden für Hafer, Frucht, Heu
  474 Gulden für Lebensmittel

Da die Gemeinde diesen hohen Betrag nicht aufbringen konnte, wandte sie sich an private Geldgeber und erhielt von:
3.275 Gulden Xaver Mayer, Sonnenwirt
1.000 Gulden Protas Selinger
1.000 Gulden einem Freiburger

Die hohe Verschuldung des ganzen Landes brachte die Teuerung:
1815 kostete 1 Sester (=18,25 Liter) Weizen 1,30 Gulden
1816 schon 2,05 Gulden und
1817 gar 8,00 Gulden

Als Folge stehen 1816 und 1817 als die größten Hungerjahre in den Gottenheimer Akten verzeichnet. Die zweite Hunger- und Teuerungszeit war 1850-1855. Die Fürstlich Hohenzollerische Verwaltung in Umkirch gab für die notleidende Bevölkerung täglich eine Suppe aus, die in einem kleinen Faß auf einem Karren nach Gottenheim geholt und im Dorf verteilt wurde. Zur Verbesserung der Existenzgrundlage der Bauern, begann man 1813 mit der Kultivierung des versumpften Ödlandes in den Gewannen Moos und Eichen, die zu Ackerland und Matten umgewandelt wurden.

Großherzogl. Badische Gerichte: Kriminalfall 26. Dez. 1846 Raubmord in Eschbach - Verhaftung in Gottenheim


Eisenbahnbau

Rheintalstrecke (Badische Hauptbahn)

Quelle: Wikipedia: Badische Hauptbahn

Mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens entstanden bereits Anfang der 1830er Jahre Überlegungen zum Bau einer Eisenbahn von Mannheim nach Basel, um den Personen- und Güterverkehr schneller und günstiger abwickeln zu können als mit Fuhrwerken, zumal auch der Oberrhein südlich von Mannheim nur eingeschränkt schiffbar war.

1837 wurde eine Technische Kommission aus Baurat Dr. Karl Bader (1796–1874), dem Bauingenieur Franz Keller und Johann Sauerbeck (1798-1861) gebildet, die auf einer Auslandsreise nach Frankreich, Belgien und England dort Eisenbahnbauprinzipien studierten und anschließend beim Bau der badischen Hauptbahn technisch bei der Wahl der Betriebsmittel und trassenbestimmend anwandten.

Erst als sich im benachbarten Elsass 1837 eine Eisenbahngesellschaft gründete mit dem Ziel, eine linksrheinische Strecke zwischen Basel und Straßburg zu bauen, begannen in Baden die Planungen zum Bau einer Eisenbahn, um eine Verlagerung der Verkehrsströme auf das linksrheinische, elsässische Ufer zu vermeiden. In einem eigens einberufenen Landtag 1838 beschloss die Badische Ständeversammlung den Bau einer Bahnstrecke von Mannheim zur Schweizer Grenze bei Basel auf Staatskosten, wie es beispielsweise bereits am 31. Juli 1835 vom Freiburger Historiker Karl von Rotteck gefordert worden war. Die Strecke sollte als Hauptstrecke in erster Linie dem überregionalen Verkehr dienen und daher eine geradlinige Streckenführung am östlichen Rand der Oberrheinebene aufweisen...

Im September 1838 begann der Bau der ersten Teilstrecke zwischen den beiden neuen Kopfbahnhöfen Mannheim und Heidelberg als Endpunkten. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte dieser Abschnitt am 12. September 1840 feierlich eröffnet werden. Die Weiterführung nach Süden erfolgte in folgenden Etappen: Heidelberg–Bruchsal–Karlsruhe am 10. April 1843, Karlsruhe–Ettlingen–Rastatt am 1. Mai 1844, Rastatt–Oos (heutiger Bahnhof Baden-Baden) am 6. Mai 1844, Oos–Offenburg am 1. Juni 1844 und Offenburg–Freiburg am 30. Juli 1845.

Aus Gottenheimer Sicht höchst interessant, dass drei Varianten der Streckenführung für die Rheintalbahn zw. Riegel und Biengen untersucht wurden, von denen zwei direkt (westlich bzw. östlich) an Gottenheim vorbei geführt hätten!
Am Ende wurde die dritte Variante mit Anschluss von Freiburg an die Bahn ausgewählt, was trotz Umwegs und höherer Steigungen für die damaligen Lokomotiven wirtschaftlicher war. (Bestimmt ganz gut so ;-)
Tipp Technisches Gutachten des Comité für Eisenbahnen im Großherzogthum Baden von 1837 (112 Seiten; s.Seite 17)

Freiburg - Breisach (Breisacher Bahn)

Quelle: Wikipedia: Breisacher Bahn

Die Bahnstrecke Freiburg–Colmar ist eine ehemals durchgehende Eisenbahnstrecke von Freiburg im Breisgau über Breisach am Rhein nach Colmar, die seit Zerstörung der Breisacher Eisenbahnbrücke über den Rhein im Jahr 1945 unterbrochen ist. Sie verläuft südlich am Kaiserstuhl vorbei durch die oberrheinischen Tiefebene. Die Strecke wurde in zwei Abschnitten 1871 und 1878 als staatlich betriebene Privatbahn eröffnet und 1881 verstaatlicht. Nach ihrem jeweiligen Endbahnhof wurde beziehungsweise wird die Strecke auch als Breisacher Bahn, Breisachbahn oder Colmarer Bahn bezeichnet.

Am 11. Februar 1868 erließ die Badische Regierung das Gesetz zum Bau einer Eisenbahn zwischen Freiburg und Breisach und erteilte bereits am 21. April 1868 die Konzession. Eine Motivation für den Bahnbau war der Transport von Holz aus dem Schwarzwald an den Rhein und Kohle aus dem Saargebiet nach Freiburg. Zur Finanzierung des Bahnbaus nahmen Freiburg und Breisach ein Darlehen über 1,2 Mio Goldmark zu 4,5% beim Basler Bankierverein auf.

1869 änderte man die Trassenführung zugunsten einer kürzeren und kostengünstigeren Strecke von Hugstetten über Gottenheim (statt Oberschaffhausen/Bötzingen) nach Wasenweiler. Der erste Spatenstich erfolgte am 7. Juni 1870. Wegen personeller und materieller Engpässe durch den Deutsch-Französischen Krieg wurde die Strecke erst am 14. September 1871 eröffnet. Den Betrieb der staatlich betriebene Privatbahn übernahm die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn. Dazu Auszug aus dem Badischen Staatsanzeiger zur Einrichtung des Bahnhofsdiensts.

Am 3. September 1882 ereignete sich auf der Breisacher Bahn zwischen Landwasser und Hugstetten mit 64 Todesopfern der schwerste Eisenbahnunfall in den ersten 100 Jahren deutscher Eisenbahngeschichte als dort ein Zug entgleiste.

Die Strecke ist heute zwischen Freiburg und Breisach als eingleisige, nicht elektrifizierte Eisenbahnnebenstrecke klassifiziert und wird von der Breisgau-S-Bahn bedient. Bis 2020 ist der Ausbau der Breisgau-S-Bahn mit Bundes-/Landesmitteln geplant, d.h. Elektrifizierung, Ausbau der Bahnsteige, Modernisierung der Bahnübergänge, Begegnungsstrecken und 15min-Takt...

Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Bahnhof Gottenheim.

Gottenheim - Riegel - Endingen - Breisach (Kaiserstuhlbahn)

Quelle: Wikipedia: Kaiserstuhlbahn

Die Kaiserstuhlbahn ist eine nichtbundeseigene Nebenbahn, die mit den Strecken Gottenheim – Riegel-Ort – Endingen a.K. und Riegel-Malterdingen – Endingen a.K. – Sasbach - Breisach den Kaiserstuhl östlich, nördlich und westlich umfährt. In Riegel-Malterdingen besteht Anschluss an die Rheintalbahn und damit in Richtung Freiburg im Breisgau und Offenburg. In Gottenheim und Breisach besteht Übergang zur 1871 eröffneten Staatsbahnlinie Freiburg–Breisach (Breisacher Bahn), die am Südrand des Kaiserstuhls verläuft. Betriebszentrale ist der Bahnhof Endingen, in dem sich Verwaltung, Bahnbetriebswerk und Fahrzeughallen befinden.

Die Streckenteile Gottenheim–Riegel am Kaiserstuhl Ort und Riegel-Malterdingen–Endingen wurden am 15. Dezember 1894 eröffnet, am 7. September 1895 folgte der restliche Abschnitt Endingen–Breisach. Erbauer war das Badische Eisenbahnkonsortium unter dem Eisenbahnunternehmer Herrmann Bachstein, das die Bahn am 8. Dezember 1897 mit Wirkung zum 1. April 1897 gemeinsam mit der Bregtalbahn sowie der Zell-Todtnauer-Eisenbahn in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) einbrachte.

Die Kaiserstuhlbahn ist die letzte komplett erhaltene und vollständig im Betrieb befindliche Normalspurstrecke der ehemaligen Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG). Auf der Strecke finden Personennahverkehr, Güterverkehr und auch Museumsbahnbetrieb (Rebenbummler) statt. Teilweise werden die Strecken auch im Busbetrieb befahren. Heute wird von Endingen aus als Sitz des Verkehrsbetriebes Breisgau–Kaiserstuhl der gesamte Personennahverkehr und Güterverkehr auf allen nicht elektrifizierten Eisenbahnstrecken im Großraum Freiburg betrieben.

Bau der Bundesautobahn A5 ehemals HaFraBa (Planung 1926 - Anschluß Freiburg 1962)

Am 20. Juli 1962 wurde das letzte Teilstück des HaFraBa-Projekts mit einem Staatsakt an der Anschlussstelle Freiburg-Nord der Öffentlichkeit feierlich übergeben.HaFraBa e.V. (Hansestädte - Frankfurt - Basel) ist die Kurzbezeichnung des 1926 gegründeten Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel und damit des ersten großen Autobahn-Projekts in Deutschland. Fundstelle zur HaFraBa Quelle: Bundesarchiv


Landwirtschaft und Sonderkulturen

Seit Jahrhunderten war die Landwirtschaft ohne Sonderkulturen, die gehandelt werden konnten, nicht lebensfähig.

Im Jahre 1833 wird der Bürgermeister Johann Band nach den wirtschaftlichen Verhältnissen gefragt. Er machte folgende Angaben: In Gottenheim gibt es 100 Pferde, 250 Kühe, 120 Schweine, 10 Schafe und 10 Ziegen. Neben dem Getreide an Roggen, Gerste und Hafer werden noch besonders angepflanzt:
60 Morgen Hanf, 40 Morgen Kraut und 150 Morgen Erdäpfel (Kartoffeln).

Die Gemarkung war damals aufgeteilt in (1 Morgen = 36 Ar):
- 833 Morgen Ackerland,
- 420 Morgen Matten (Wiesen),
- 32 Morgen Weide,
- 132 Morgen Reben und
- 750 Morgen Wald.

Weinbau

Weinbau hat eine überaus lange Tradition in Gottenheim, schließlich wurden schon in der 1. urkundlichen Erwähnung im Jahre 1086 dem Kloster St.Georgen drei Parzellen im Weinberg überschrieben.

Mehr über die Geschichte des Weinbaus in Gottenheim erfahren Sie bei der Winzergenossenschaft Gottenheim.

Obstbau

Mehr über die Geschichte Obstbaus am Oberrhein .

Hanfanbau

Zeitweise war der Anbau von Hanf (Cannabis) in Gottenheim von großer Bedeutung, daher auch der Flurname Hanf-Reetze. Dazu ein interessanter Bericht von 1850 über den Hanfanbau, u.a. Gottenheim.
Nach dem St.Gotthard-Durchbruch 1880 kam verstärkt italienischer Hanf auf den Markt und der deutsche Hanfanbau zum Erliegen.

Tabakanbau

Nach dem Zusammenbruch des Hanfanbaus entschlossen sich die Gottenheimer zum Tabakanbau.
Bericht über den Tabakanbau.


Kirche und Schule in Gottenheim

Zur Geschichte der Schule in Gottenheim

Zur Geschichte der kath. Kirche in Gottenheim und zur Geschichte des Kirchenchores.

Gesangverein, Musikverein und Freiwillige Feuerwehr in Gottenheim

Zur Geschichte des MGV Liederkranz Gottenheim

Zur Geschichte der Musikvereins Gottenheim

Zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Gottenheim


Kirche getroffen

1. und 2. Weltkrieg

Bericht: Gedenken an die Opfer des 1. Weltkrieges.

Bericht: Bombenangriff am 24. Februar 1945 und die Zerstörung des Kirchturms s. Foto.

Bericht: Kriegsende 20. April 1945 in Gottenheim.


Die Gemeindeverwaltung

Vor dem 19. Jahrhundert lag die Hauptlast der Verwaltung, sofern man von einer sprechen kann, beim Vogt der Gemeinde. Dieser wurde von der Grundherrschaft bestellt, also nicht durch Wahlen ermittelt. Bestand zwischen der Herrschaft und der Gemeinde ein gutes Verhältnis, so wird diese einen angenehmen Vogt nach Rücksprache mit den Untertanen vorgesetzt haben. Ihm zur Seite standen noch der Stabhalter und die Gerichtsmitglieder. Dieses Gremium tätigte hauptsächlich Käufe und Verkäufe, die unter dem Stab, einem 80 cm langen Stock, mit dem aufgesetzten Gemeindewappen aus Silber, vor sich gingen. Die Gerichtsmitglieder fungierten als Zeugen und unterschrieben die getätigten Käufe und Verkäufe. Diesen Vorgang nannte man Gerichtsverhandlung und die ausgefertigten Kaufverträge als Gerichtsprotokolle. Sie stellen die ältesten Grundbücher der Gemeinde dar.

Die eigentlichen Grundbücher setzten erst mit dem Jahre 1810 ein. Protokollbuchführer waren sehr oft Lehrer, die auch als Ratschreiber bis zum Jahre 1835 tätig waren. Der Gemeinderechner, früher auch Gemeindeschaffner genannt, geht bis in frühere Zeiten zurück. Er ist in den Gemeinden, die früher Vogteien genannt wurden, seit dem 30jährigen Krieg fast überall schon vorhanden. Mit der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden setzte ein großer Wandel in der Verwaltung ein, man nannte das Land Baden deshalb auch das Musterländle. Von jetzt an trug hauptsächlich der Ratschreiber die Last der Verwaltung.

Mit der 1. Badischen Gemeindereform vom 1. Juni 1832 erfolgte die Wahl des Bürgermeisters durch die Bürger der Gemeinde. Der Bürgermeister hatte zu seinem Gehalt von 15 Gulden noch die Nutzung von einem halben Juchert Acker und einem halben Juchert Matten (Interessante Fundstelle: 1 Juchert = 34,92 ar).

Als im Jahr 1833, dem Jahr nach der Einführung der 1. Badischen Gemeindeordnung, der damalige Bürgermeister Johann Band gefragt wurde, was denn die Gottenheimer für Leute seien, schrieb er:

Hier sind alle gleich deutsch, katholisch. Es wohnt in Gottenheim ein gesunder Volksschlag mit guten geistigen Anlagen, der von einfacher Bauernkost mit Ausnahme von Pfarrer und Lehrer lebt. Die Geldverhältnisse sind jedoch schwach.

Interessant: Die zeitliche Entwicklung der Verwaltungsstrukturen für Gottenheim


Tipp Alte Ansichtskarten, Alte Fotos, Alte Gottenheimer Häuser und Historische Karten.
Zuletzt geändert 26. Dec. 2016 Kurt Hartenbach. Startseite: gottenheim.de> Geschichte Lesemodus